Norwegen hat sich ambitionierte Ziele gesteckt. Von 2025 an plant man, keine konventionell motorisierten Fahrzeuge mehr zuzulassen. Zugleich werden allmählich die Subventionen gesenkt, denn das Projekt E-Norwegen kostet den Staat eine dreistellige Millionensumme, und durch die Schwankungen im Energiemarkt hat das öl- und gasreiche Land in den letzten Jahren Einnahmen eingebüßt. Andererseits bezieht das Berg- und Fjordreich 95 Prozent seiner Energie aus der Wasserkraft.

"Woran wir noch arbeiten müssen", sagt Christina Bu, "ist ein Netz für das ganze Land. Derzeit gibt es 850 Schnellladestationen. Unser Ziel ist ein Supercharger pro 100 Autos. Ideal wäre dann auch in Zukunft eine optimale Versorgung mit den noch schnelleren 150-kW-Geräten."

Der Elektroauto-Boom in Norwegen ist auch deshalb so interessant, weil in dem skandinavischen Land lange Winter mit tiefen Temperaturen herrschen. Selbst im Mai liegen in Oslo am Holmenkollen auf 1.350 Meter mit der berühmten Skischanze nicht wenige Schneereste. "Ich frage jeden Leaf-Interessenten vorher, wie weit sein Weg zur Arbeit ist", erzählt Eirik Nilsen, Verkäufer bei Birger N. Haug, dem Elektro-Topseller unter Europas Nissan-Händlern. Denn im norwegischen Winter sinke die maximale Reichweite schnell auf nur noch 80 Kilometer. Aber auch das reicht vielen Nutzern.

Lange auf den Tesla warten

Kürzlich wurde der 30.000. Leaf verkauft – der uneingeschränkte Marktführer vor Tesla. "Anfangs waren unsere Kunden überwiegend Trendsetter aus dem Hightech-Sektor. Jetzt kommen Familien. Weit über die Hälfte sind Privatkunden", sagt Nilsen. Was ihn freut: "Viele haben bei uns vorbeigeschaut, weil sie Monate auf einen Tesla warten mussten. Den Leaf gab es fast sofort." Weil immer mehr elektrifizierte Konkurrenz auf den Markt drängt, denke man erstmals auch über Leasingverträge mit Servicepaket nach. Inzwischen steigt auch die Nachfrage nach gebrauchten Leaf-Modellen, die Nilsen in ganz Europa aufstöbern muss, zu einem Endkundenpreis von gut 14.500 Euro.

Unter den leichten Nutzfahrzeugen ist ebenfalls ein batteriebetriebenes Auto der Star: der Nissan NV 200. Seine Nachfrage steigt, denn auch die Osloer Stadtverwaltung stellt ihren Fuhrpark um und ordert kräftig. Auch Taxen sind inzwischen elektrisch unterwegs. Für Krankenfahrten beispielsweise schreiben manche Kliniken und Pflegeeinrichtungen Fahrten mit einem E-Auto vor. Ein sicheres, lukratives Vertragsgeschäft für die Unternehmen der Branche.

"Denken Sie nicht, dass es einfach war, diese Politik umzusetzen", sagt Ola Elvestuen, liberaler Abgeordneter im norwegischen Parlament und als ehemaliger Osloer Vizebürgermeister einst an der Schaltstelle der Elektrifizierung. "Es herrschte kein automatischer Konsens. Das alles ist das Ergebnis zäher Verhandlungen." Norwegen strebe das Ziel des Pariser Klimaschutzabkommens an, bis 2030 Emissionen um 40 Prozent zu senken. "Aber wir dürfen auch unseren Haushalt nicht überstrapazieren. Denn unser Markt ist zu klein, um allein den Wandel zu stemmen", sagt er mit Blick auf Deutschland und seine Autobauer.

"Aber genauso wichtig ist auch, die Attraktivität des öffentlichen Nahverkehrs zu fördern", fügt Elvestuen hinzu. Noch langwieriger, erinnert er sich lachend, seien die Verhandlungen gewesen, ehe man durchsetzten konnte, dass die Osloer Verkehrsbetriebe im Interesse des Gesamtkonzepts nachhaltiger Mobilität ihre Fahrkartenpreise um 20 Prozent senken mussten.

Anmerkung: Wir haben die Angabe zum Anteil der Elektroautos an allen Pkw in Norwegen korrigiert. Die Äußerung von Christina Bu, es seien "mehr als ein Prozent", war sehr vage.