In Berlin ist auf dem Weg zur Arbeit auf manchen Radwegen viel los. Wie vorsichtig darf oder muss ich als Radfahrer sein, wenn eine Ampel auf Rot umschlägt und dicht hinter mir andere Radfahrer unterwegs sind und Fahrräder ja nun einmal keine Bremslichter haben?, fragt ZEIT-ONLINE-Leser Jörg Bergstermann.

Endlich Sommer, denken sich gerade viele Stadtbewohner und nehmen auf dem Weg zur Arbeit das Fahrrad statt den Bus. Eine gute Idee, denn damit verkürzen sich die Autokolonnen und die Feinstaubbelastung in den Innenstädten geht zurück.

Doch verglichen mit fahrradfreundlichen Metropolen wie Kopenhagen oder Rotterdam befindet sich das Radwegenetz in deutschen Großstädten noch in einem frühen Entwicklungsstadium. Dort sind Radwege oft schmal oder enden mitunter plötzlich, weil die städtischen Verkehrsplaner den knappen Platz auf der Straße lieber großzügig für parkende Autos ausweisen. Radfahrer sollen sich dann in den (Auto-)Straßenverkehr einordnen.

Doch auf dem Radweg kann es Probleme geben, wie Leser Jörg Bergstermann anmerkt. Da kann es vorkommen, dass der vor einem radelnde Mensch plötzlich bremst und anders als beim Auto kein Bremslicht als Warnung aufleuchtet. Rechtsanwalt Markus Matzkeit erklärt dazu: "Unabhängig von einem Bremslicht gilt natürlich einerseits, dass man nicht bei Rot fahren darf, andererseits beim Umschlagen auf Gelb keine Vollbremsung machen muss."

Außerdem weist Matzkeit noch auf einen anderen wichtigen Grundsatz hin, nämlich das allgemeine Gebot der Rücksichtnahme aus Paragraf 1 der Straßenverkehrsordnung (StVO). Dazu gehört auch ein ausreichender Abstand, um gegebenenfalls auf unerwartete Fahrmanöver anderer Radfahrer reagieren zu können. Es kommt durchaus vor, dass beispielsweise jemand unvermittelt anhält, weil sein Handy klingelt. Darum ist es ratsam, einige Meter Abstand zum Vorausradelnden einzuhalten.

"Kommt es zu einem Unfall, wird die Beweisbarkeit allerdings sicher äußerst schwierig", merkt Matzkeit an. "Es dürfte aber auch hier die Vermutung gelten, dass derjenige, der auffährt, eben nicht mit angepasster Geschwindigkeit und ausreichender Aufmerksamkeit gefahren ist", so der Jurist.

Noch auf eine weitere Besonderheit weist Matzkeit hin, die Radfahrer zu mehr Vorsicht ermahnen sollte: Meistens bewegen sich Autofahrer mit einer Geschwindigkeit von mehr oder minder 50 Kilometern pro Stunde durch die Stadt, bei Fahrradfahrern können oft größere Geschwindigkeitsunterschiede auftreten. "Das kann zu größeren Problemen und Unfällen führen."