Der Autohersteller Audi hat Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) zufolge eine unzulässige Abgas-Software verwendet. Die Software habe erkannt, wenn die Fahrzeuge auf Abgaswerte geprüft wurden und anschließend die Reinigungssysteme angeschaltet, sagte Dobrindt. Davon seien 24.000 Fahrzeuge betroffen, die nun zurückgerufen werden müssten.

Betroffen seien die Modelle A8 und A7 mit V6- und V8-Dieselmotoren. Es handele sich um Fahrzeuge der Baujahre 2009 bis 2013. Die Auffälligkeiten wurden demnach am Mittwoch bekannt. Am Donnerstag habe er mit VW-Chef Matthias Müller gesprochen, sagte der Verkehrsminister . Dobrindt kündigte außerdem an, dass nun weitere Fahrzeuge des VW-Konzerns mit ähnlichen Motoren untersucht werden sollen. Welche Modelle, werde derzeit im Ministerium besprochen. Es sei vereinbart worden, dass für alles, was in den Konzernmarken auffällig wird, auch der Konzern die Verantwortung trägt.

"Wir arbeiten mit den Behörden zusammen", teilte Audi auf Anfrage mit. Aus Konzernkreisen hieß es, die VW-Tochter habe seit einem halben Jahr alle Motoren durchgemessen und bei bestimmten Fahrsituationen erhöhte Stickoxid-Werte festgestellt. Dies habe Audi dem Kraftfahrtbundesamt umgehend mitgeteilt und bereits an einer Lösung gearbeitet.

Audi und der Mutterkonzern VW hatten bereits in einem milliardenschweren Vergleich mit dem US-Justizministerium eingeräumt, dass sie in den USA etwa 83.000 Autos mit Dieselmotoren und einer illegalen Software verkauft haben. Diese soll die Abgaswerte nach unten manipuliert haben. Die Diesel-Verfahren hatten Audi im vergangenen Jahr fast zwei Milliarden Euro gekostet.

Razzien während Jahrespressekonferenz

"Als Konsequenz aus der Diesel-Affäre stellen wir bei Audi alles auf den Prüfstand", hatte der Vorstandsvorsitzende der Audi AG, Rupert Stadler, bei der Jahrespressekonferenz im März gesagt. Die Aufarbeitung sei "noch lange nicht abgeschlossen". Sein Unternehmen tue aber alles, "dass so etwas wie die Diesel-Affäre bei uns nie wieder passiert".

Während der Jahrespressekonferenz von Audi hatten mehr als 100 Polizisten und Staatsanwälte die Zentrale des Autoherstellers, weitere Standorte und Wohnungen von Mitarbeitern durchsucht. Die Staatsanwaltschaft hatte ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt wegen des Verdachts des Betruges und der "strafbaren Werbung" eingeleitet. Darin soll geklärt werden, wer an der Verwendung der manipulierten Abgas-Software und an Falschangaben beteiligt gewesen ist.

Dobrindt hatte kurz nach Beginn des VW-Abgasskandals im September 2015 die "Untersuchungskommission Volkswagen" eingesetzt. Bestehend aus Fachleuten des Bundesverkehrsministeriums, des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) sowie wissenschaftlicher Begleitung durch den Münchner Professor Georg Wachtmeister bewertete sie bis März 2017 zum einen die Auswirkungen des VW-Abgasskandals. Zum anderen sollte sie prüfen, ob auch für Diesel-Fahrzeuge anderer Hersteller unzulässige Abschalteinrichtungen für Abgase verwendet wurden.