Polizei und Behörden haben es schwer: Selbst tödliche Unfälle schrecken Raser nicht ab. Von offizieller Seite gibt es bisher nur wenige Möglichkeiten, Geschwindigkeitsüberschreitungen nachzugehen. Stationäre Blitzer schrecken nur für wenige Meter ab, und ihre Standorte sind meist schnell bekannt. Selbst die Aufbauorte mobiler Kontrollen verbreiten sich in sozialen Netzwerken oft wie ein Lauffeuer. Außerdem braucht es für mobile und semistationäre Kontrollen immer Menschen, die Anlagen betreiben oder warten. Mannstärke, die Behörden oder Kommunen oft fehlt.

Eine Möglichkeit, weite Strecken ohne großen Aufwand zu überwachen, bietet die Abschnittsmessung, die auch unter der englischen Bezeichnung Section Control bekannt ist. In anderen europäischen Ländern gibt es das System schon lange, etwa in den Niederlanden, Italien und der Schweiz. In Deutschland läuft seit Anfang 2016 ein Pilotprojekt. Auf einem drei Kilometer langen Straßenstück südlich von Hannover wird die Technik getestet.

So funktioniert sie: Ein sogenannter Trigger registriert die Durchfahrt eines Fahrzeuges unter einer Messbrücke. Kurz darauf nimmt eine Kamera ein Bild des Fahrzeughecks auf und versieht dieses mit einem Zeitstempel. Passiert das Fahrzeug eine weitere Brücke, errechnet die Abschnittsmessung die Durchschnittsgeschwindigkeit und gleicht diese mit der maximal zulässigen Höchstgeschwindigkeit ab. Wird diese überschritten, löst eine Kamera mit dem Fokus auf Fahrer und Kennzeichen aus, wie beim klassischen Blitzer. Wenig später bekommt der Fahrzeughalter einen Bußgeldbescheid per Post.

So funktioniert die Abschnittsmessung. © Deutscher Verkehrssicherheitsrat

Der Vorteil: Vor allem an Unfallschwerpunkten kann so die Geschwindigkeit effektiver verringert werden. Denn bei herkömmlichen Radarfallen bremsen Autofahrer in aller Regel stark ab, um anschließend wieder zügig zu beschleunigen.

Datenschützer sind skeptisch

Doch die Section Control soll nicht nur das Rasen eindämmen. Mit Einsätzen in Baustellen, Tunneln oder auf Brücken lassen sich auch Unfälle verhindern oder Staulagen im Berufsverkehr durch eine harmonischere Geschwindigkeit aller Verkehrsteilnehmer reduzieren. In Großbritannien wird das System der Abschnittskontrolle bereits seit 20 Jahren genutzt, in Schottland ist der längste lückenlos überwachte Abschnitt 220 Kilometer lang.

In Deutschland hatte sich schon 2009 der Deutsche Verkehrsgerichtstag für einen Modellversuch in einem Bundesland ausgesprochen – allerdings nur auf Strecken mit Unfallhäufung. Das ist bei der Strecke des niedersächsischen Pilotprojekts der Fall: Der Abschnitt auf der Bundesstraße 6 zwischen Laatzen und Gleidingen gilt als besonders unfallträchtig.

Bedenken an dem Verfahren äußerten hierzulande insbesondere Datenschützer. Schließlich werden Daten erhoben, aus denen sich Bewegungsprofile erstellen ließen: An den Messpunkten werden auch die Kennzeichen der Autos erfasst, die nicht zu schnell fahren. In der Bevölkerung kommt die Technik jedoch gut an und stößt auf mehr Gegenliebe als herkömmliche Blitzer. Man spricht hier von einer "faireren Art der Geschwindigkeitskontrolle".

Das Pilotprojekt bei Hannover soll noch in diesem Jahr das nächste Stadium erreichen und in den Echtbetrieb übergehen. Dann sind die Vergehen ahnbar und erste Strafen werden ausgesprochen. Momentan ist die Technik zur Überprüfung in der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig. Dort werden seit 1958 alle Messanlagen zur Geschwindigkeitsüberwachung geprüft und im Erfolgsfall genehmigt. Auch der Vorreiter der Section Control: die sogenannte Funk-Stopp-Methode aus den 1950er Jahren, bei der Polizisten mit Funkgerät und Stoppuhr die Durchschnittsgeschwindigkeit der Temposünder ermittelten.