Schon vor der Reaktorkatastrophe von Fukushima 2011 wurde das geologisch unruhig gelegene Japan regelmäßig von Erdbeben erschüttert, und auch schwere Taifune treffen das Land immer wieder. Deswegen ist die Politik dort besonders an Systemen interessiert, die nach einem Kollaps der Energienetze dennoch die Versorgung der Bevölkerung sichern können. Im Ernstfall, so die Zielsetzung, würde entsprechende Technik die Häuser autark versorgen.

Das ist allerdings nur ein Aspekt des Projekts E-Kizuna, das das Unternehmen Honda zusammen mit der Stadt Saitama im Großraum Tokio entwickelt hat. Ein weiteres Ziel: Die lokalen CO2-Emissionen sollen im Lauf der Versuchsjahre um fünfzig Prozent gegenüber 2000 sinken. Herzstück des Projekts sind drei neu errichtete Eigenheime, in denen Hondas Smart Home System (HSHS) zum Einsatz kommt. Es steuert Erzeugung und Versorgung mit Strom und Wärme.

In das Konzept sind ein E-Auto und ein Elektroroller integriert. Sie können nicht nur vom Haus mit Strom versorgt werden, sondern geben bei Bedarf ihrerseits Energie aus ihren Speichern an die Immobilie ab. Wie Toyota oder Mitsubishi ist auch Honda ein Mischkonzern, dessen Töchter Komponenten für das Pilotprojekt wie Solaranlage und Energiewandler gleich mitliefern können.

Das Elektroauto kann auch Strom abgeben

Was die Vorzeigehäuser von den Nachbargebäuden unterscheidet, ist nicht nur die gelungene Mischung aus traditioneller japanischer Architektur mit westlichen Einflüssen, sondern auch die große Ladestation im Carport sowie die Strom- und Heizungseinheiten – ein gasbetriebenes Mikro-Blockheizkraftwerk – außen am Haus, die am Stadtnetz von Saitama hängen. Auf dem Dach wurden Fotovoltaik-Dünnschichtmodule der Honda-Tochter Soltec verlegt.

Der sogenannte Smart e-Mix Manager steuert nicht nur die Energieproduktion im HSHS selbst, sondern auch den Bedarf aus dem öffentlichen Netz. Diese intelligente Einspeisung und Abgabe von Energie kann punktgenau gesteuert werden und ist ein Beispiel für das künftige Smart Grid. Kommt es zu Schwankungen oder Engpässen, kommt auch das E-Auto als Puffer ins Spiel. Zwar sind auch auf Japans Straßen derzeit noch weit weniger als eine Million Elektroautos unterwegs, doch die Vision von Vehicle-to-Grid (V2G) – die Einbindung der automobilen Speicher ins allgemeine Netz – spielt in der fernöstlichen Variante der Energiewende eine große Rolle. Ein ähnliches Pilothaus hat Honda auch in den USA in Kooperation mit der University of California in Davis errichtet.

Ermöglicht wird die Strategie durch den japanischen Ladestandard Chademo, der auch bidirektional funktioniert. Dass ein Elektroauto über eine Wandlerstation gespeicherte Energie aus seinen Akkus abgeben kann, bewies auch Nissan kurz nach Fukushima mit dem Leaf.