Ab dem Herbst wird nachgemessen. Dann müssen alle neuen Pkw-Typen den sogenannten Test für Real Driving Emissions (RDE) absolvieren, eine Prüffahrt auf öffentlichen Straßen, bei denen der Abgasausstoß unter Alltagsbedingungen gemessen wird. Abgasbetrug mit Abschalteinrichtungen wie bei Volkswagen oder Schummeleien mit den umstrittenen Temperaturfenstern beim Diesel sollen dann nicht mehr ohne Weiteres möglich sein. Modelle, die den Test nicht bestehen, erhalten keine Verkaufszulassung mehr.

Autofahrer, die eine TÜV- oder Dekra-Niederlassung in der Nähe haben, dürften künftig ab und zu Begegnungen mit den Messfahrzeugen machen. Erkennbar sind sie an dem unübersehbaren Heckkoffer, der die Messsensorik enthält. Das Portable Emissions Measurement System, kurz Pems, kostet rund 100.000 Euro und misst den Ausstoß verschiedener Abgaskomponenten. Wichtig ist zunächst nur die Menge an Stickoxiden (NOx), die den Auspuff verlässt.

Gefahren wird das Auto von einem Ingenieur, der Sachkunde für die komplizierte Bedienung des Hightechgeräts nachgewiesen haben muss. Für die Typprüfungsfahrten wird es sich in der Regel um einen Mitarbeiter eines technischen Dienstes, also etwa von TÜV oder Dekra, handeln. Zusätzlich ist ein Zeuge an Bord. Insgesamt drei dieser Paare fahren jedes Auto zu verschiedenen Tageszeiten, aber auf der gleichen Strecke. Am Ende wird gemittelt.

Nicht ganz an der Realität dran

Für die Routen gibt es genaue Vorgaben, was etwa den Autobahnanteil, die zu fahrende Geschwindigkeit und das Geländeprofil angeht. Die Außentemperatur muss zwischen 0 und 30 Grad liegen, die Höhe über dem Meeresspiegel nicht mehr als 700 Meter betragen. So sollen möglichst alle gängigen Fahrprofile berücksichtigt werden. Ganz kann das nicht gelingen: Die Höchstgeschwindigkeit im Test liegt bei 150 km/h, in der Realität fahren auf deutschen Autobahnen auch deutlich schnellere Autos.

Die Teststrecken werden von den Prüforganisationen selbst ausgewählt und sie sind in ihrer Wahl relativ frei. Pfiffige Dienstleister bieten im Internet bereits Strecken an, die vermeintlich für den Autobauer gute Werte ergeben.

Bosch hält derartige Optimierungsversuche für zwecklos. Der Zulieferer rechnet eher damit, dass die Prüfer auch im Interesse der Hersteller möglichst eher harte Strecken wählen werden. Der Grund: Die Ergebnisse sollen nachvollziehbar ausfallen, schon allein, weil die Messungen später auch von Dritten wiederholt werden können. Sollten die Werte dann deutlich abweichen, droht eine Anzeige beim Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) – ein großes Risiko bei missgünstiger Konkurrenz oder misstrauischen Umweltverbänden.

Die geplanten offiziellen Nachprüfungen schließen eine weitere Lücke für Betrüger. Künftig soll auch bei bereits ausgelieferten Kundenfahrzeugen im Auftrag des KBA nachgemessen werden, ob die Abgasreinigung wie versprochen funktioniert. Ähnlich handhaben das die US-Behörden beim Ausstoß von CO2. Regelmäßige Strafen für zu optimistische Herstellerangaben sind die Folge.