Fachleute bei Audi haben schon früh davor gewarnt, dass Abgasmanipulationen in den USA zu hohen Strafen führen könnten. Laut einem Bericht von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung (SZ) hatten Fachleute der Volkswagen-Tochter aus der Motorenentwicklung schon im Oktober 2013 vor den Folgen gewarnt.

In einem Dokument vom 11. Oktober 2013 heißt es demnach, das "Kernrisiko" bestehe in einer "Aufdeckung" der betreffenden Software durch die US-Behörden. Dies könne zu hohen Geldbußen führen. Eindringlich warnten die Fachleute demzufolge auch vor einem "Gesichtsverlust" bei den amerikanischen Behörden. Dass die Kunden die Manipulation bemerken würden, wurde als geringes Risiko eingestuft.

Die Fachleute sprachen die Empfehlung aus, die Software so schnell wie möglich umzustellen. Doch geschehen ist danach offenbar nichts: Die Abgasmanipulationen des VW-Konzerns wurden zwei Jahre nach Erstellung des Dokuments im September 2015 in den USA entdeckt. Der Konzern hatte jahrelang Dieselfahrzeuge mit einer Software so verändert, dass sie nur auf dem Prüfstand die Abgasgrenzwerte einhielten. Auf der Straße stießen sie später erheblich mehr Schadstoffe aus. Für die Manipulationen musste VW – auch für Audi – Strafen und Schadenersatz in Höhe von mehr als 20 Milliarden Dollar bezahlen.

Die SZ schreibt, die US-Behörden hätten Erkenntnisse darüber, dass Audi das elfseitige Papier mit dem Titel Risikoeinschätzung 2013 an VW weitergereicht hatte. Unklar sei, ob auch die Vorstände der Autokonzerne Kenntnis davon hatten.

Klage in den USA wegen Kartellverdacht

Vergangene Woche war zudem bekannt geworden, dass sich VW, Audi und auch Porsche und Daimler abgesprochen haben – etwa über Lieferanten, Motoren oder auch Abgasfilter. Die Kartellbehörden ermitteln. Inzwischen wurden auch erste Klagen von US-Kunden eingereicht: Drei Kläger fordern Entschädigung, weil sie als Folge der mutmaßlichen Absprachen künstlich überhöhte Preise für ihre Wagen gezahlt hätten.

In ihrer bei einem Bundesgericht im Bundesstaat New Jersey eingereichten Klage beschuldigen sie die Konzerne BMW, Daimler und Volkswagen, gegen Wettbewerbs- und Verbraucherschutzgesetze zu verstoßen und sich in unzulässiger Weise bereichert zu haben. Das geht aus der von dem Gericht veröffentlichten Klageschrift hervor.

Durch die Praktiken der Autohersteller seien sie "gezwungen worden, aufgeblähte, überhöhte Preise für deutsche Luxusfahrzeuge zu zahlen", heißt es darin. Die Kläger haben ihr Vorgehen als potenzielle Sammelklage angelegt. Sie gehen davon aus, dass sich noch Tausende weitere Verbraucher der Klage anschließen könnten. Eine Daimler-Sprecherin in den USA sagte, die Klagen "entbehren der Grundlage". Das Unternehmen werde sich "mit allen rechtlichen Mitteln" dagegen wehren.

Klage auch in Kanada

Eine ähnliche Klage wurde an einem Gericht der kanadischen Provinz Ontario von einer Anwaltskanzlei eingereicht, im Namen der meisten kanadischen Käufer von Fahrzeugen der deutschen Konzerne. Dort werden Schadenersatzzahlungen in einer Gesamthöhe von umgerechnet rund 750 Millionen Euro von den deutschen Firmen verlangt; in der US-Klage sind die Forderungen nicht beziffert. Wenn die Vorwürfe zuträfen, seien den kanadischen Kunden Autos mit "minderwertigen Komponenten" zu hohen Preisen verkauft worden, sagte der Anwalt David Wingfield von der Kanzlei Strosberg Sasso Sutts LLP.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg geht auch das US-Justizministerium den möglichen illegalen Absprachen zwischen den deutschen Autobauern über Technologien und Strategien nach. Allerdings gebe es keine Hinweise darauf, dass das Ministerium eine formelle Untersuchung eingeleitet habe, berichtete die Agentur bereits am Dienstag.