Die Autobahn A9 nordwärts, ein paar Kilometer vor Leipzig. Der Tempomat lässt die Mercedes E-Klasse mit Tempo 130 über die rechte Spur schnurren. Der Fahrer hat die Hände vom Lenkrad genommen und überlässt es dem Bordcomputer, die Richtung zu halten. Etwa 200 Meter voraus ein Lkw, auf derselben Spur. Der Fahrer tippt kurz den Blinkerhebel an. Das Lenkrad bewegt sich. Etwas zögerlich, aber stetig zieht der Wagen auf die linke Spur und überholt. 

Kurz darauf die zweiten Prüfung. Ein Tempolimit: erst 100, dann 80. Eine Blitzanlage wacht am Fahrbahnrand. Noch bevor der Fahrer bremsen kann, hat das Auto es selbst getan. Blinkertippen rechts, das Fahrzeug schert zurück auf die rechte Spur. Tempolimit Ende. Der Wagen beschleunigt auf die eingestellte Richtgeschwindigkeit. 

Auf diese Weise geht es insgesamt 2.000 Kilometer durch Deutschland mit einem von Mercedes gestellten Testfahrzeug. Das besondere Feature heißt "Fahrassistenzpaket". Kunden erhalten es, wenn sie zusätzlich zu den mindestens 43.000 Euro für die Mercedes E-Klasse weitere 2.261 Euro drauflegen. Oft wird dieses Stück Zukunft etwas irreführend auch "Autopilot" genannt.

Irreführend, weil das System zwar das am weitesten fortgeschrittene ist. Offiziell aber ordnet man es ein zwischen dem "teilautomatisierten Fahren" – also der selbständigen Regelung etwa von Tempo, Abstand und Spurhaltung – und dem "hochautomatisierten Fahren" – dem beispielsweise selbständigen Überholen und dem Beachten von Verkehrsregeln. 

Der Albtraum aller Sportfahrer

Erst die nächste Stufe, das "vollautomatisierte Fahren", wäre eine Art Autopilot. Er ist der Albtraum aller Sportfahrer, die gerne Reifen quietschen lassen. Die Autohersteller aber haben ihn zum Ziel erklärt, um ihre Kunden zufriedenzustellen. Die wünschen sich zumindest bei Stau und auf langweiligen Autobahnetappen, dass der Chip-Chauffeur für sie Gas, Bremse und Lenkung übernimmt.

Wie viel ist noch Vision, wie viel längst Realität? Auf der Testfahrt funktioniert die aufwändige, auf Kamera-Erkennung und Laser-Sensoren gestützte Technik fast immer tadellos. Brav bleibt die E-Klasse auf der Spur, das nervöse Pendeln zwischen den Fahrbahnmarkierungen, wie es die erste Generation dieser Systeme zeigte, ist fast verschwunden. Auch Verkehrszeichen werden mittlerweile sehr zuverlässig erkannt – ebenso wie Autos im toten Winkel. Befiehlt der dennoch einen Spurwechsel, verweigert der Lenk-Computer.