Der Autoverkäufer blickt nachdenklich auf seinen Computerbildschirm, tippt noch ein paar Zahlen ein und wartet. Dann schüttelt er den Kopf : "Nichts zu machen. Es klappt frühestens im Januar oder Februar." So wie hier ergeht es in diesen Tagen vielen Autokäufern, die einen Neuwagen bestellen wollen und schon bald im Cockpit ihres auserwählten Modells sitzen möchten. Vor der Fahrfreude kommt der Frust: Lieferzeiten von sechs bis acht Monaten sind derzeit in der Autobranche keine Seltenheit.

Das sorgt für Enttäuschung und Unverständnis in einer Zeit, in der man es gewohnt ist, Produkte online zu bestellen und binnen weniger Tage zu erhalten. Noch schlimmer: Viele Autohersteller können auch bereits vertraglich versprochene Liefertermine nicht einhalten und strapazieren damit die Geduld ihrer Kunden noch stärker.

Eine Umfrage von ZEIT ONLINE bei Autohäusern verschiedener Marken ergab, dass selbst viel verkaufte Modelle nicht mehr vor Jahresfrist ausgeliefert werden. "Januar oder Februar", das war die Antwort eines süddeutschen Autoverkäufers auf die Frage nach dem Liefertermin einer Mercedes C-Klasse, der sich aber auch mit dieser vagen Auskunft keineswegs festlegen wollte. "Genau kann man das jetzt noch nicht vorhersagen", versuchte er die derzeitigen Unwägbarkeiten bei Auftragsplanung und Produktion zu erklären. Dabei sind fünf Monate Wartezeit auf den C-Klasse-Kombi noch durchaus wenig, andere Mercedes-Modelle lassen noch länger auf sich warten. "Rund 40 Wochen", nannte der Verkäufer beispielsweise als Lieferzeit für den Salon-Offroader GLC und dessen größeren Bruder GLE. Im Klartext: 40 Wochen – das sind zehn Monate.

Die Kampagne läuft – die Bänder stehen

Die Konkurrenz kann es aber auch nicht besser: Auf den neuen 5er-BMW müssen viele Kunden derzeit fünf bis sechs Monate warten, auf den Volvo XC 90 sogar rund acht Monate, auf den Audi A3 bis zu fünf Monate, auf den VW Tiguan bis zu zehn Monate und auch beim neuen Škoda-Offroader Kodiaq dauert die Lieferung sieben bis zehn Monate. Selbst Kleinwagen wie VW Polo oder Škoda Fabia haben mittlerweile Lieferzeiten von bis zu fünf Monaten.

Besonders ärgerlich ist die Situation, wenn sich Autokäufer für ein neu vorgestelltes Modell begeistern, für das der Hersteller zwar kräftig die Werbetrommel rührt, es in Wahrheit aber noch gar nicht liefern kann. Solche Methoden sind seit einiger Zeit in der Autobranche gang und gäbe, denn häufig kommt es beim Produktionsanlauf neuer Typen zu Problemen, die den Zeitplan für die Markteinführung kräftig durcheinander bringen. Während die Werbekampagne auf Hochtouren läuft und Kunden anlockt, laufen die Montagebänder noch gar nicht oder nur mit gedrosseltem Tempo.

Autokäufer erfahren davon aber meist nichts. Sie tappen in die Werbefalle, unterschreiben den Kaufvertrag und bleiben danach für lange Zeit im Unklaren. Auf Reklamationen gibt es dann als Antwort oft den lapidaren Hinweis, im Kaufvertrag sei ja nur ein "unverbindlicher" Liefertermin genannt. Selbst Hersteller teurer Premiummodelle scheuen sich inzwischen nicht mehr, ihre Kunden auf diese Weise zu enttäuschen. Manchmal gibt es einen Ersatzwagen, oft aber nur eine knappe Entschuldigung.

"Die langen Lieferzeiten schlagen auf die Kundenzufriedenheit durch", räumt Thomas Peckruhn, Präsident des Verbands der Škoda-Vertragspartner, in einem Interview mit dem Branchenblatt kfz-betrieb ein und kritisiert, dass "einige Stellen in der Produktionskette" Probleme hätten, mit dem Wachstum der VW-Tochter Schritt zu halten. Škoda hat schon seit Monaten mit ungewöhnlich langen Lieferzeiten zu kämpfen – und dementsprechend auch mit verärgerten Kunden. Peckruhn: "Die Auftragsbücher sind so voll wie nie, aber die Ware ist nicht da."