Schon eine kleine Drehung am Griff lässt den Roller nach vorne schießen. Nichts für Grobmotoriker. Wenn man sich einmal daran gewöhnt hat, fährt sich der Roller ansonsten ähnlich wie ein Fahrrad. Nur dass man nicht treten muss und doch wesentlich flotter unterwegs ist. Zunächst genieße ich es, mühelos an Radfahrern vorbeizuziehen. Doch dann steht eine Ampel auf Rot, zehn Autos davor und ich dahinter. Eine warme Abgaswolke umhüllt mich. Die Radler, die ich eben noch überholt habe, ziehen auf dem Radweg an mir vorbei. Ich überlege, mich vorzudrängeln, aber erstens darf ich das nicht, weil das als Überholen gilt und man das nur links auf einer eigenen Spur darf. Zweitens würde Constanze gar nicht durchpassen.

Die Grünphase ist so kurz, dass ich zweimal nicht rüberkomme. Währenddessen fahren mindestens zwanzig Radfahrer vorbei. Ich wünsche mir, doch auch das Rad genommen zu haben und fürchte schon, zu spät zur Arbeit zu kommen. Doch als ich endlich die Ampel hinter mir habe, hole ich die Radler schnell wieder ein. Bis zur nächsten Ampel. An der der Typ mit seinem Speedfight steht.

Ich brauche genauso lang wie mit dem Rad

Die meisten Kunden seien derzeit Männer zwischen 25 und 40 Jahren, erklärt Emmy-Gründer Seither. Es kämen aber auch immer mehr junge Frauen dazu. "Unsere Kunden schätzen die neue Freiheit, sich jederzeit das passende Verkehrsmittel aussuchen zu können", sagt Seither. "Viele wollen nicht auf einem lauten, stinkenden Ding fahren." Ein weiterer Vorteil für die mobile Generation: Man hat keine Fixkosten wie Versicherung und muss sich auch um nichts kümmern, wenn man mal länger im Ausland ist.

Am Ende habe ich für die sechs Kilometer genauso lang gebraucht wie mit dem Rad: gut 20 Minuten. Allerdings kommt der Weg zum Roller dazu, sodass ich insgesamt etwas langsamer war. Der durchschnittliche Emmy-Kunde fährt 15 Minuten lang, die mittlere Strecke beträgt fünf bis sechs Kilometer.

Die Herstellung des Akkus versaut die Ökobilanz

Gezahlt hätte ich 3,64 Euro, wenn ich nicht noch Freiminuten hätte. Emmy hat nach Kilometern statt nach Minuten abgerechnet – weil ich so langsam war. Somit hätte ich 84 Cent mehr bezahlt als für ein Einzelticket im Nahverkehr. Dafür musste ich nicht umsteigen und mich nicht in volle Bahnen zwängen. Im Unterschied zum Auto musste ich auch keinen Parkplatz suchen. Vor allem aber macht das Rollerfahren ziemlich viel Spaß.

Doch ist es eine sinnvolle Ergänzung für den Verkehr in der Stadt? Leihroller brauchen weniger Platz als Leihautos. Und E-Roller sind leise und verpesten die Luft nicht. Allerdings wäre wenig gewonnen, wenn keiner mehr Bus und Bahn führe und deshalb E-Roller die Straßen verstopften. Außerdem fällt bei der Herstellung des Akkus sehr viel CO2 an, sodass öffentliche Verkehrsmittel und Fahrrad weiterhin die umweltfreundlichere Wahl sind. Auch wenn Emmy die Roller mit Ökostrom lädt.

Als ich mich nach der Arbeit auf den Weg nach Hause machen will und über eine weitere Rollerfahrt nachdenke, zieht ein Gewitter auf. Da fahre ich doch lieber U-Bahn.