Der nächste Autokauf steht an. Was läge da näher, als zur Entscheidungsfindung die gerade stattfindende IAA zu besuchen? Doch wo stehen bei den insgesamt knapp 1.000 Ausstellern die neuen Autos, die für den kaufwilligen Normalverbraucher wirklich relevant sind? Neuheiten, die man direkt vom Messestand weg erwerben könnte – oder zumindest ein paar Tage später beim Händler? Wie also sieht ein IAA-Rundgang für Normalos aus, um sich zwischen Sportwagen, futuristischen Studien und stadtuntauglichen SUV nicht zu verlaufen?

Gestartet wird am Haupteingang. Die dortige Festhalle, wie jedes Jahr komplett von Mercedes belegt, ist für den durchschnittlichen Käufer uninteressant. Die beiden Messe-Highlights der Marke haben jeweils, mindestens, einen kleinen Haken: Das eine, ein elektrisches Cabrio, kommt erst in ein paar Jahren auf den Markt; das andere, ein futuristischer Sportwagen, kostet 2,7 Millionen Euro.

Viele SUV, aber kaum klassische Limousinen

Der Mercedes-Stand macht damit schon eines der großen Probleme der diesjährigen IAA sichtbar: Ganz "normale" Neuwagen feiern auf dieser Messe kaum Premiere. Mehr als 70 Prozent der Debütanten sind Sportwagen, große oder kleine SUV. Klassische Limousinen hingegen sind fast gar nicht zu sehen.

Für ein normales Auto, eines für den Alltag und nicht für Vitrine oder Rennstrecke, ist Halle 3 die erste logische Anlaufstation. Dort präsentiert der VW-Konzern seine Klassikermarken, etwa den neuen Polo. Der ehemalige Kleinwagen wurde von Generation zu Generation größer, hat mittlerweile Technik aus dem Golf an Bord und gleicht sich auch äußerlich immer weiter an: eine Art Mini-Golf eben.

Preisaufschläge für modischen Chic

Neben ihn hat VW den T-Roc platziert, einen Mini-SUV, der zwar hipper aussieht als der Polo, unter dem modischen Blechkleid aber nicht viel mehr Platz bietet. Dafür ist er mit einem Startpreis von 22.400 Euro rund 7.000 Euro teurer als der günstigste Polo. Eine Preispolitik, die einem immer wieder auf dem Rundgang begegnen wird: Für modischen Chic, einen erhöhten Fahrersitz und etwas mehr Platz bei kleinen SUV verlangen die Hersteller von den Kunden krasse Preisaufschläge.

Sonst noch in Halle 3 bei den VW-Töchtern vertreten: Bei Seat steht der Arona, bei Škoda der Karoq, beides Verwandte und direkte Konkurrenten des T-Roc. Das Trio unterscheidet sich beim Preis, bei der Technik und beim Angebot an Extras, vor allem aber beim Design. Während VW beim T-Roc die optische Extravaganz dosiert, gestaltet Seat seinen Arona maximal dynamisch. Der Škoda ist markentypisch sachlich geraten und bietet von den drei Modellen den größten Innenraum. Ernsthafte Offroadambitionen hat keiner der drei. Die Halle ist damit abgearbeitet, rüber also zu Halle 5.

Auch dort wartet ein SUV. Der Jaguar E-Pace ist bereits das zweite Hochbeinermodell der Briten nach dem größeren F-Pace und soll neue Kundenkreise ansprechen. Individualisten nämlich, denen das große Modell zu massig ist, die gleichzeitig aber keines der Premiummodelle von Mercedes und Co fahren wollen. Trotzdem ist der Allrader eher konventionell geraten. Ob er eine echte Alternative zu den bewährten Angeboten ist, muss sich daher erst auf der Straße zeigen.