In deutschen Großstädten herrscht weiterhin Ladesäulenknappheit. In den meisten Großstädten kommt nur eine Stromtankstelle auf Zehntausende Einwohner, wie eine aktuelle Studie des Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen zeigt. Für potenzielle E-Auto-Käufer ist das einerseits ein Problem – andererseits sind öffentliche Ladestellen nur eine Möglichkeit, das eigene E-Auto aufzuladen. Welche Alternativen sonst zur Verfügung stehen? ZEIT ONLINE gibt einen Überblick.

Die Haushaltssteckdose ist die einfachste, aber auch langsamste Möglichkeit zum Aufladen eines E-Autos. In der Regel ist dafür ein spezielles Kabel mit einer Steuer- und Schutzeinrichtung nötig, das bei den meisten E-Autos aber mitgeliefert wird. Die Ladeleistung liegt lediglich bei rund 2,3 kW, ein gängiger Akku mit einer Kapazität von 23 kWh müsste also schon in der Theorie für 10 Stunden ans Netz. Weil das Laden in der Praxis aber schleppender geht, je voller die Batterie wird, dauert es in der Praxis noch länger. Die Steckdose bietet sich also nur dann an, wenn das Auto länger nicht gebraucht wird – etwa über Nacht.

Eine sogenannte Wandladestation beschleunigt den Ladevorgang zu Hause und stellt zwischen 3,6 und 22 kW an Ladeleistung zur Verfügung. Je nachdem, ob sie an das normale 230-Volt-Haushaltsnetz angeschlossen wird oder an den Starkstromanschluss, an dem etwa auch der Elektroherd hängt. In letzterem Fall lassen sich gängige E-Autos in 2 bis 6 Stunden aufladen. Die Kosten für die Heimladesäule hängen außer von der Ladeleistung stark von den örtlichen Gegebenheiten ab, dürften inklusive Installation aber kaum unter 1.000 Euro liegen. Die meisten E-Auto-Hersteller bieten auch speziell an ihre Fahrzeuge angepasste Boxen an, die Preise unterscheiden sich stark.

Per App lassen sich öffentliche Ladesäulen finden

Mit Ladeleistungen zwischen 10 und 22 kW sind öffentliche Ladesäulen in etwa so schnell wie eine stärkere Wallbox. Zu finden sind sie in der Regel in Innenstädten, Parkhäusern oder auf Supermarktparkplätzen. Auf Internetseiten oder per App lassen sich alle Stromtankstellen im Umkreis finden. Je nach Betreiber unterscheiden sich die Preis- und Abrechnungsmodelle stark, teils wird nach Ladedauer abgerechnet, teils nach Strommenge. Es gibt zwar einige Gratis-Angebote, meist ist der Strom an öffentlichen Säulen allerdings deutlich teurer als zu Hause. Bezahlt wird bar oder mit Karte an Kassenautomaten, auf Rechnung, online oder per Handy. Häufig ist eine vorherige Registrierung oder eine spezielle Chipkarte nötig, was spontanes Laden erschwert.

Wer mit dem Elektroauto Langstrecken zurücklegen will, kommt an öffentlichen Schnellladesäulen nicht vorbei. Sie liefern per Definition mehr als 22 kW Ladeleistung, typisch sind 50 kW. Teslas Supercharger bieten sogar bis zu 135 kW – sind aber nur mit den Modellen des kalifornischen Luxusautoanbieters kompatibel. Einzelne Hersteller haben aber bereits eigene Ultra-Schnellladesysteme angekündigt, die auch große Akkus in wenigen Minuten füllen sollen. Die Bezahlung an der Schnellladesäule läuft ähnlich wie bei normalen öffentlichen Ladesäulen, der Strom ist in der Regel jedoch noch teurer. Tesla geht auch hier einen Sonderweg: Frühe Kunden tanken umsonst, bei den anderen wird mittlerweile online monatlich abgerechnet.

Das Fernziel: aufladen während der Fahrt

Für viele Experten stellt induktives Laden die Zukunft des E-Auto-Tankens dar. Weil für das berührungslose Laden kein Kabel mehr nötig ist, steigt der Komfort, während Verschleiß und die Gefahr von Fehlbedienungen zurückgehen. Die Technik ist im Prinzip seit Jahren vor allem von elektrischen Zahnbürsten bekannt, wird aber bei elektrischen Pkw nur selten eingesetzt, weil aktuell kaum vorgerüstete Fahrzeuge verfügbar sind. Das könnte sich mit der nächsten Generation von E-Autos ändern, die meisten Hersteller arbeiten gerade an induktiv ladbaren Modellen. Die Ladeleistung bei dieser Methode liegt in der Regel bei 6,6 kW, es existieren jedoch schon Prototypen mit bis zu 200 kW. Fernziel ist das kabellose Tanken während der Fahrt. Denkbar wäre etwa, einzelne Straßenabschnitte mit entsprechenden Magnetspuren auszurüsten.  

Wer ein Elektroauto fährt, wird wohl zumindest die vier erstgenannten Lademöglichkeiten regelmäßig nutzen müssen. Wie schnell und komfortabel das geht, hängt nicht nur mit der Infrastruktur vor Ort zusammen, sondern auch mit dem Ladegerät an Bord des Fahrzeugs sowie dem vom Fahrzeughersteller verwendeten Steckerstandard. Die deutschen Marken verwenden für das Schnellladen in der Regel den CCS-Stecker, japanische und französische Hersteller allerdings ziehen den hierzulande bei Säulen seltener verwendeten Chademo-Anschluss vor. Das Problem: Beide sind nicht kompatibel, Fahrer müssen sich also im Vorfeld informieren, an welchen Stromtankstellen sie auch tatsächlich aufladen können.