Wen genau betrifft das Verkehrsschild "Anwohner frei"? Darf ich die Straße befahren, auch wenn ich nur Dinge ausliefere oder Freunde besuche? Was droht bei missbräuchlichem Befahren?, will ZEIT-ONLINE-Leser Ahmed C. wissen.

Zwar stellen manche Gemeinden Schilder mit dem Hinweis "'Anwohner frei" auf – die Straßenverkehrsordnung jedoch kennt lediglich das Schild "Anlieger frei". Doch ganz egal, welches der beiden Verkehrszeichen eine Kommune bevorzugt: Beide sind rechtlich gleichgestellt.

Der Begriff "Anlieger" umfasst nach der Rechtsprechung zunächst alle Verkehrsteilnehmer, die Eigentümer oder Nutzungsberechtigte eines Grundstücks sind, das an der Verkehrsfläche anliegt. Das Grundstück muss also tatsächlich einen Ein- oder Zugang zu der für die Allgemeinheit gesperrten Straße haben.

"Da es sich bei dem Zusatzzeichen um ein Verkehrsverbot handelt, der Anlieger selbst hierdurch aber nicht benachteiligt werden soll, sind außerdem alle Personen zur Durchfahrt berechtigt, die zu dem Anlieger Beziehungen irgendwelcher Art unterhalten oder anknüpfen wollen", sagt Daniela Mielchen, Fachanwältin für Verkehrsrecht.

Unwichtig ist, ob diese Beziehung privater oder geschäftlicher Natur ist. Deshalb dürfen beispielsweise Besucher die Straße genauso durchfahren wie Paketzusteller, Handwerker oder sogar unerwünschte Vertreter. "Ebenso darf man diese Bereiche passieren, um etwa dort angesiedelte Restaurants, Arztpraxen oder Geschäfte zu besuchen", sagt Mielchen.

Dabei reicht die reine Besuchsabsicht aus, um die Straße nutzen zu dürfen: Hat das Geschäft also geschlossen oder ist der besuchte Freund nicht zu Hause, wird daraus keine unbefugte Nutzung. Ist der Besuch bei dem Anlieger beendet, muss man den eingeschränkten Bereich allerdings wieder verlassen. "Ein darüber hinausgehendes Parken ist nicht erlaubt und stellt eine Ordnungswidrigkeit dar, welche mit einem Verwarngeld geahndet werden kann", so Mielchen.

Wichtig ist außerdem, das Schild 'Anlieger frei' nicht mit dem Schild 'Anwohner mit Parkausweis frei' zu verwechseln. "In diesem Bereich darf die Parkfläche tatsächlich nur von Anwohnern genutzt werden, denen per Antrag an die zuständige Behörde ein Parkausweis ausgestellt worden ist", sagt Mielchen.