Glücklich ist in diesen Tagen, wer keinen Fernseher besitzt. Denn dadurch entgeht man der jährlich wiederkehrenden Masse an Werbung für die beste und günstigste Kfz-Versicherung. Die Anbieter werben jetzt besonders heftig um Kunden, denn der 30. November rückt näher – es ist der wichtigste Stichtag für die gesamte Branche.

Für alle Kunden, deren Autoversicherung bis zum Jahresende läuft – und das sind die meisten – endet an diesem Tag die einmonatige Kündigungsfrist. In den Wochen davor liefern sich die Versicherungen dementsprechend nicht nur eine mediale Schlacht um Aufmerksamkeit, sondern auch einen Preiskampf, um der Konkurrenz möglichst viele Kunden abzunehmen.

In diesem Jahr ist der Kampf um Kunden und Marktführerschaft besonders hart. Vor einigen Jahren verlor die Allianz den Spitzenplatz bei der Kfz-Versicherung an die Huk Coburg und ihre günstige Online-Tochter Huk24. Nun setzt die Allianz auf Gegenangriff: Es gibt neue Tarife und vor allem viel Werbung auf allen Kanälen. Gleichzeitig drängen neue Wettbewerber in den Markt. Sogenannte Insurtechs wollen die Autoversicherung digitalisieren. Die Anbieter Nexible und Friday zum Beispiel sind beide in diesem Jahr in Deutschland gestartet. Ihr Angebot soll vor allem junge Kunden ansprechen: einfache Online-Anträge, digitale Vertragsverwaltung und flexiblere Vertragsdauer.

Reparaturen am Auto werden teurer

Bei so viel Konkurrenz sollten die Preise eigentlich sinken. Doch die Versicherer kämpfen ihrerseits mit steigenden Kosten: Reparaturen am Auto werden immer teurer, was vor allem an kostspieligen Ersatzteilen liegt. So stieg der Preis für eine Kofferraumklappe laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft allein in den vergangenen eineinhalb Jahren um zwölf Prozent.

Für Kunden bedeutet das: Gerade jetzt lohnt es sich, noch vor dem 30. November verschiedene Versicherungen miteinander zu vergleichen – um eine Beitragssteigerung noch vermeiden zu können. Denn pünktlich zum Herbst haben die Anbieter ihre Preise für das Jahr 2018 veröffentlicht. In dieser heißen Phase des Wettbewerbs wollen sie sich gegenseitig unterbieten, wodurch sich immer wieder günstige Angebote finden. Insbesondere wer länger bei einem Anbieter war, hat sehr gute Chancen, bei einem anderen Versicherer den gleichen Schutz zu einem besseren Preis zu bekommen. Der Neukundenrabatt macht‘s möglich.

Etwas Aufwand ist dafür nötig. Denn trotz Vergleichsportalen, die sehr viele Anbieter listen, gibt es nirgendwo einen vollständigen Marktüberblick. Einige Versicherungen sind gar nicht auf Vergleichsportalen zu finden, weil sie die hohen Provisionen scheuen, die sie für einen Vertragsabschluss zahlen müssen. Dazu zählen etwa die beiden günstigen Direktanbieter Hannoversche Direkt und Huk24.

Mindestens zweimal vergleichen

Für Autobesitzer bedeutet das Intransparenz und Mehraufwand. Wer möglichst wenig bezahlen möchte, sollte mindestens zweimal vergleichen. Das erste Mal am besten auf zwei Portalen wie Check24 und Verivox. Und auch eine zusätzliche Preisabfrage bei der Hannoverschen oder Huk24 erhöht die Chance auf den besten Preis. Bei aller Sparsamkeit sollten jedoch natürlich auch immer die Versicherungsbedingungen stimmen – etwa eine ausreichend hohe Versicherungssumme.

Doch auch Kunden, die ihrer Versicherung treu bleiben möchten, können die Wechselphase für sich nutzen. Sie sollten ebenfalls Preise vergleichen – nicht nur bei anderen Versicherungen, sondern auch bei ihrem eigenen Anbieter. Es passiert mitunter, dass dieser sie als Neukunde günstiger versichern würde. Darauf kann man das Unternehmen ansprechen und notfalls mit einer Kündigung drohen. In vielen Fällen wird das Unternehmen darauf eingehen und ein besseres Angebot machen. Ein treuer Kunde ist für die Versicherung stets günstiger als ein teuer angeworbener Neukunde, für den sie teilweise eine hohe Vermittlerprovision bezahlen muss.

Auch treue Kunden können sparen

Denn trotz der Chance auf große Ersparnisse: Die deutschen Autobesitzer sind nicht sonderlich aktiv, wenn es ums Wechseln der Versicherung geht. Laut einer repräsentativen Finanztip-Studie hat jeder dritte von ihnen noch nie seine Kfz-Versicherung gewechselt. Vor allem die jüngeren Versicherten bleiben ihrem Anbieter treu, weil sie den Aufwand fürchten oder sich keine Gedanken darum machen wollen. Ein weiterer Grund für die Wechselmüdigkeit: Drei Viertel der Befragten sind mit ihrem Anbieter zufrieden. Wer dennoch wechselt, tut es vor allem des Geldes wegen. Das allerdings kann sich lohnen: Wer einen teuren Tarif hat, kann im Jahr mehrere Hundert Euro sparen.

Zusätzlich sollte jeder – egal ob der Vertrag neu geschlossen wird oder schon über Jahre läuft –  prüfen, ob sich mit ein paar einfachen Anpassungen Geld sparen lässt. Kann zum Beispiel die angegebene Zahl an Jahreskilometer reduziert werden oder ist noch ein Kind mitversichert, das gar nicht mehr den Wagen fährt? Oder wird der Mitgliedsbeitrag in mehreren Raten pro Jahr überwiesen, wie es laut Finanztip-Umfrage die Hälfte der Versicherten tut? Auch hier lohnt sich eine Umstellung: Wer monatlich zahlt, muss im Schnitt neun Prozent mehr für seinen Tarif zahlen. Allein durch die Ratenzahlung landen so pro Jahr hochgerechnet mehr als 590 Millionen Euro zusätzlich in den Kassen der Versicherer. Dieses Geld können Sie sich sparen!