Tesla hat den Elektro-Pkw sexy gemacht. Nun wollen die Kalifornier das Gleiche mit dem E-Lkw machen, dem sogenannten Tesla Semi. Doch für Nutzfahrzeuge gelten ganz eigene Regeln – das macht zum Beispiel ein amerikanischer Ex-Trucker in einem Beitrag auf dem Portal Autoblog klar. Sein Fazit ist ernüchternd für Tesla: Es gebe ernste Probleme mit dem Hypemobil.

Die Grundidee sei zunächst einmal gut, findet der ehemalige Berufskraftfahrer Jonathan Ramsay. Ein schwerer Lkw für Kurz- und Mittelstrecken könnte mit einem Elektromotor Energie und CO2-Emissionen sparen. Tatsächlich muss die Reichweite eines solchen Trucks nicht exorbitant sein: Die Wege zwischen Containerterminals und Firmenlagern sind in der Regel eher kurz, viel Zeit verbringen die Lkw zudem mit Warten auf die nächste Lieferung, was das Aufladen gut in den Arbeitsablauf integrierbar macht.

20 Prozent sparsamer als ein Diesel-Lkw

Tesla-Chef Elon Musk rechnet daher durch den E-Antrieb auf einem 100-Meilen-Trip mit einer Kostenersparnis von 20 Prozent gegenüber einem Diesel-Lkw. Für den Fernverkehr von Küste zu Küste hingegen kommt der Tesla Semi trotz seiner extremen Reichweite von 800 Kilometern aber kaum infrage. Konventionelle Langstreckentrucks kommen fast doppelt so weit.

Trotz der begrenzten Einsatzmöglichkeiten des Semi erntete Tesla bei der Vorstellung des Trucks großen Jubel. Vor allem, weil die Faszination der Elekro-Pkw der Marke offenbar auf den Lkw abstrahlt. Um das auszunutzen, hatte Musk auch als Überraschung die Studie eines neuen Sportwagens im Trailer des E-Lkw versteckt: ein emissionsfreier Flitzer mit schnittiger Karosserie und einer ungeahnten Beschleunigung – zumindest für E-Autos. Das neue Elektrofaszinosum soll Fans und Investoren angesichts zuletzt schlechter Nachrichten aus der Firmenzentrale im Silicon Valley beschwichtigen. Und Musk wertvolle Zeit verschaffen.

Tesla könnte die gute Idee verderben

Auch der Semi ist faszinierend, nicht zuletzt, weil Tesla es schafft, der ansonsten so nüchternen Fahrzeuggattung die Vision einer sauberen und hippen Zukunft zu verpassen. In der Praxis könnten aber gerade Teslas Spezialzutaten die Idee verderben.

Da wäre zunächst einmal die zentrale Sitzposition in der Mitte der Kabine. Bislang vor allem aus Sportwagen wie dem McLaren F1 bekannt, soll sie künftig eine bessere Übersicht beim Fahren ermöglichen. Übersicht ist für viele Fahrer laut Ex-Trucker Ramsay aber gar kein generelles Problem; die hohe Sitzpostion in einem Truck sorge bereits für einen guten Blick nach vorne. Der mittige Sitz hat vielmehr Nachteile: Vor allem lässt sich viel schlechter an vorausfahrenden Lkw vorbeischauen. Und auch die Überwachung des toten Winkels und der Blick aus dem Fenster beim Rangieren wären bei einem Mittelsitz zumindest schwierig.

Tesla will das mit zahlreichen Kameras ausgleichen, die aerodynamisch günstiger sind als große Spiegel und den Truck zudem besser und schnittiger aussehen lassen. Ramsay allerdings hält den direkten Blick durch einen der zahlreichen Spiegel für deutlich sicherer. Bei Nacht befürchtet er zudem, dass die hell strahlenden Rückschaubildschirme auf Dauer die Augen stark belasten.