"Ein Bekannter von mir ist neulich an einer roten Ampel geblitzt worden, weil er einem Rettungswagen Platz gemacht hat. Hätte er die Ampel nicht überfahren dürfen? Wie kann er eventuell beweisen, dass er die Ampel nicht böswillig überfahren hat? Darf man wegen eines Rettungswagens auch auf Gehsteige fahren?", will ZEIT-ONLINE-Leserin Anne Bischoff wissen.

Die meisten Verkehrsteilnehmer kennen die Situation: Sie stecken mit ihrem Wagen im dichten Stadtverkehr fest, die Kolonne schiebt sich nur langsam voran und plötzlich nähert sich von hinten ein Rettungswagen mit Blaulicht und Martinshorn. Was also tun, um den Rettungskräften Platz zu machen?

"Oft lässt sich die Verkehrssituation lösen, indem man an den Straßenrand fährt", sagt Frank Häcker, Rechtsanwalt aus Aschaffenburg. Schwierig wird es allerdings, wenn dafür kein Platz vorhanden ist oder das Fahrzeug bereits vor einer roten Ampel steht und damit dem Krankenwagen den Weg versperrt. Die rote Ampel ignorieren, um den Rettungseinsatz nicht zu behindern, oder besser auf Grün warten?

"Das wichtigste für die Entscheidung ist, andere Verkehrsteilnehmer durch das Manöver nicht zu gefährden", sagt Häcker. Entscheidet sich der Fahrer, die rote Ampel zu überfahren, empfiehlt es sich daher, hinter der Ampel stehen zu bleiben und auf die Grünphase zu warten. Oder, nachdem der Krankenwagen vorbei ist, wieder hinter die Haltelinie zurückzufahren.

Häcker sagt, zwar sei es nicht erlaubt, eine rote Ampel einfach zu überfahren, auch nicht um Platz zu machen. Doch der Verkehrsteilnehmer kommt dadurch der anderen Verpflichtung nach, für Fahrzeuge mit Sonderlichtzeichen Platz zu machen. Denn in der Straßenverkehrsordnung heißt es: "Alle übrigen Verkehrsteilnehmer haben sofort freie Bahn zu schaffen."

Aus dem gleichen Grund ist es auch erlaubt, den Gehsteig zum Ausweichen zu nutzen, um ein Hindernis zu umfahren. Allerdings gilt auch hier die Sorgfaltspflicht, um Fußgänger oder Radfahrer auf dem Bürgersteig nicht zu gefährden.

Eigentlich wird ein Verstoß gegen die Regeln in solch einem Fall erfahrungsgemäß nicht sanktioniert, sagt Häcker. Trotzdem könne es vorkommen. Deshalb rät der Jurist, Beweise zu sichern, sich etwa die Namen von potenziellen Zeugen zu notieren und sie der Bußgeldbehörde oder dem Gericht zu nennen. Gibt es keine Zeugen, sollten sich Betroffene das Kennzeichen des Rettungswagens notieren. Über die Einsatzzentrale lässt sich meistens der Fahrer des Rettungswagens als Zeuge ermitteln. Das sind gute Argumente gegen einen Bußgeldbescheid.