Bei Verbraucherzentralen beschweren sich immer mehr Kunden über starke Preissprünge bei Inlandsflügen nach der Insolvenz der Fluglinie Air Berlin. Das sagte der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Klaus Müller, der Deutschen Presse-Agentur. Er begrüßte, dass das Bundeskartellamt jetzt die Preisgestaltung bei Lufthansa überprüfe. "Dann erwarten wir natürlich auch, dass notfalls Konsequenzen gezogen und auch Preise zurückerstattet werden."

Seit Air Berlin Insolvenz angemeldet hat, fehlen durch die wegfallenden Flüge Zehntausende Plätze im Flugverkehr. Das Bundeskartellamt hatte Ende November eine Prüfung bei der Lufthansa angekündigt, weil die Preise so stark gestiegen seien. Der Konzern sagt, er habe die Preisstruktur nicht verändert. Höhere Durchschnittspreise entstünden durch größere Nachfrage.

Müller sagte, es könne nicht sein, dass die Lufthansa und ihre Tochter den deutschen Markt weitgehend unter sich aufteilten. "Auch andere Wettbewerber sollten hier eine Chance bekommen."

Die Deutsche Bahn verzeichnet steigende Buchungszahlen

Die Deutsche Bahn meldet ebenfalls, mehr Fahrgäste auf ihren Fernstrecken zu haben. Das hänge auch mit der Insolvenz von Air Berlin sowie mit neuen eigenen Angeboten wie der Schnellbahn-Strecke Berlin-München zusammen - auf der es allerdings anhaltende Probleme gibt. 

"Explizit für die bisherigen innerdeutschen Hauptverbindungen von Air Berlin, nämlich München-Berlin, Köln/Düsseldorf-Berlin und München-Köln/Düsseldorf, haben wir deutlich mehr Buchungen", sagte ein Sprecher der Welt am Sonntag. Man gehe davon aus, dass vor allem Geschäftsreisende auf die Bahn umgestiegen seien.

Insgesamt verzeichne die Bahn seit Oktober steigende Buchungszahlen – "um mehr als zehn Prozent für die nächsten Monate". Das gelte für alle wichtigen Fernverbindungen. "Im Oktober und November ist der Ticketabsatz im Fernverkehr gegenüber den Vorjahresmonaten um vier Prozent gestiegen." 2016 waren die Kunden 139 Millionen Mal mit ICE und IC gereist. Bahnchef Richard Lutz hatte im November für dieses und nächstes Jahr abermals Passagierrekorde in Aussicht gestellt.

Auf der ICE-Neubaustrecke Berlin-München, die am 10. Dezember eröffnet wurde kommt es aber weiter zu Zugausfällen und Verspätungen. "Wir haben nach wie vor einzelne Störungen, aber die betriebliche Situation hat sich weiter stabilisiert", sagte ein Bahnsprecher zur aktuellen Situation dort. Auch am Samstag mussten einige ICE-Züge auf die alte Strecke umgeleitet. Damit verbunden waren Verspätungen von teilweise bis zu 60 Minuten. 

Die Probleme sind technischer Art, weil bestimmte ICE-Züge Daten des auf der Strecke installierten Sicherungssystems ETCS nicht korrekt verarbeiten. Die Züge bremsen dann zum Teil unnötigerweise automatische ab.

Verbraucherschützer Müller sieht das Angebot der Bahn als wichtige Alternative zu Flügen: "Jede Form von Wettbewerb ist einer der besten Freunde des Verbraucherschutzes und damit auch eine Möglichkeit, dass Preise nicht exorbitant steigen." Dabei seien aber mehr und pünktlichere Bahnverbindungen wünschenswert. "Das bedeutet ja leider nicht, dass auf allen Strecken es tatsächlich komfortable und vergleichbare Angebote der Deutschen Bahn gibt."