Deutsche Autohersteller haben Tierversuche finanziert, um zu belegen, dass ihre Dieselfahrzeuge keine Gesundheitsschäden verursachen. Das zeigen Gerichtsakten aus dem in den USA geführten Verfahren gegen Volkswagen, die der New York Times und der Süddeutschen Zeitung vorliegen. Neben dem fragwürdigen Experiment beweisen die Unterlagen vor allem eines: dass Unternehmen mit ihnen genehmen wissenschaftlichen Studien versuchen, eigene Ziele durchzusetzen.

Ausgeführt wurde der Versuch im Jahr 2014 von einem Labor im amerikanischen Albuquerque im Bundesstaat New Mexiko. Offenbar sollte die Studie die politische Debatte um Dieselfahrzeuge beeinflussen. Sie sollte zeigen, dass von neueren Fahrzeugen keine Gefahr ausgeht und damit die sogenannte Clean-Diesel-Kampagne der Konzerne unterstützen. Zuvor hatte die Weltgesundheitsorganisation WHO vor Dieselabgasen gewarnt und sie als krebserregend eingestuft.

Bei dem Experiment mussten zehn Langschwanzmakaken in einer luftdichten Kammer die Abgase eines VW Beetle atmen. Vier Stunden lang wurden sie darin den Abgasen ausgesetzt, angeblich ohne gesundheitliche Schäden. Um sie zu beruhigen, wurden ihnen währenddessen Zeichentrickfilme gezeigt. "Sie mochten es, Cartoons zu gucken", sagte der beteiligte Wissenschaftler Jake McDonald laut dem 179 Seiten langen Verhörprotokoll über die Affen.

Test brachte keine eindeutigen Ergebnisse

Verantwortlich für den Tierversuch ist Volkswagen – wobei auch andere Firmen indirekt mitbeteiligt waren. In Auftrag gegeben wurde die Studie von der Europäischen Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor (EUGT), die von VW, Daimler, BMW und Bosch gemeinsam finanziert und 2017 aufgelöst wurde. Die EUGT fertigte selbst keine Studien an, sondern engagierte Wissenschaftler dafür. Mit dem Affenversuch hatte sie das Lovelace Respiratory Research Institute in Albuquerque beauftragt.

Was die Forscher nicht wussten: Der VW Beetle, den sie für ihren Test nutzten, hatte wie viele andere Dieselfahrzeuge auch eine manipulierte Motorsteuerung. Während des Versuches befand er sich auf einem Rollenprüfstand und steuerte den Motor so, dass er weniger Abgase produzierte als im realen Betrieb. Die Testbedingungen waren daher von vornherein verfälscht. Trotzdem gelang es den Wissenschaftlern nicht, eindeutige Ergebnisse zu beobachten und die Unbedenklichkeit zu belegen. Noch im August 2016 mahnten Vertreter von Volkswagen laut New York Times das Labor, endlich die versprochene Studie zu liefern.

Laut Süddeutscher Zeitung wussten Volkswagen, Daimler und BMW von den Affenversuchen, Mitarbeiter von Volkswagen waren bei der Installation des Prüfstandes dabei. In Deutschland werden solche Versuche an Affen aus ethischen Bedenken nicht durchgeführt.

VW entschuldigte sich mittlerweile für die Versuche: "Wir sind der Überzeugung, dass die damals gewählte wissenschaftliche Methodik falsch war. Es wäre besser gewesen, auf eine solche Untersuchung von vornherein zu verzichten." Volkswagen distanziere sich von allen Formen der Tierquälerei. "Wir entschuldigen uns für das Fehlverhalten und die Fehleinschätzung Einzelner."

Daimler versprach, die Hintergründe der Studie aufzuklären. Der Konzern distanzierte sich von den Experimenten: "Wir halten die Tierversuche in der Studie für überflüssig und abstoßend." Man habe eine Untersuchung eingeleitet, teilte Daimler mit.

Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) nannte die Tierversuche "widerlich und absurd" und verlangte, dass der Fall vollständig aufgeklärt werden müsse. Das Land Niedersachsen ist Großaktionär von Volkswagen.