Gerade haben Manager aus der Autoindustrie in einer anonymen Umfrage der Unternehmensberatung KPMG zu Protokoll gegeben, dass sie mehrheitlich eher mit einem Scheitern der batteriegetriebenen Elektroautos rechnen – drei Viertel von ihnen meinen aber, dass Wasserstoffautos die Zukunft gehört. Da mag Frank Meijer nicht widersprechen,  in der Europazentrale von Hyundai zuständig für alternative Antriebe. Schließlich präsentiert der koreanische Autohersteller gerade sein neues Modell mit Wasserstoffbetrieb, den Nexo. Im August soll er auch in Deutschland auf den Markt kommen.

In der Hyundai-Zentrale kann man das neue Auto gerade ausgiebig begutachten, nur Fahren ist noch nicht erlaubt. Im Gegensatz zum Vorgängermodell auf Basis des SUV ix35 rechnet Meijer diesmal mit einer größeren Chance, mehr als nur ein paar hundert Kunden für den noch exotischen Antrieb zu gewinnen. Vor allem, weil der Nexo so normal daherkommt. Er ist Hyundais erstes Wasserstoffauto auf eigener Plattform, dadurch sind die drei Tanks so montiert, dass eine ebene Ladefläche im 461 Liter großen Kofferraum sowie klappbare Rücksitze eingebaut werden konnten.

So bietet der Nexo auf 4,67 Metern Länge eine Menge Platz, und dank 2,67 Meter Radstand Reisemöglichkeiten für bis zu fünf Personen. Zugleich aber schaut Hyundai mit dem SUV in die Zukunft: Im Nexo haben die Koreaner Assistenzsysteme eingebaut, die für Hyundai neu sind. So lässt sich der Wagen per Knopfdruck von außen einparken, und bis 145 km/h kann er autonom die Spur halten. Bei entsprechender Rechtslage wäre der Nexo noch per Update zu mehr Aktionen ohne menschlichen Eingriff bereit.

Die Tür öffnet sich auf Zuruf

Der Innenraum sieht futuristisch aus. Für diesen Eindruck sorgen zwei hochstehende Riesenbildschirme, vor dem Fahrer in sieben Zoll, rechts daneben ein Zwölf-Zoll-Touchscreen. Cool ist das "intelligente Cockpit". Auf Zuruf öffnet sich die Tür automatisch. Mittels Sensoren im Sitz erkennt das Auto die Fitness des Fahrers und warnt bei Müdigkeit. Und wenn man anordnet: "Fahr nach Hause und mach das Schiebedach auf", erledigt der Nexo die Routenplanung und den Frischluftbefehl parallel. Später könnte das Auto über ein Softwareupdate weitere Funktionen dazulernen. Für Technik-Freaks kann so etwas ein Kaufgrund sein. Ein Hauch von Luxus wie voll versenk- und ausfahrbare Türöffner und Hebel aus Aluminium sowie die saubere Verarbeitung werden ebenfalls Interesse wecken.

Entscheidend ist aber der Preis. Obwohl der Nexo mehr bietet als sein Vorgänger, werde er einige Euro günstiger sein, kündigt Meijer an. Genaue Preise nennt Hyundai noch nicht – der ix35 mit Brennstoffzelle kostete rund 65.000 Euro.

Der Nexo soll zudem bessere Fahrleistungen bieten als der Vorgänger. Der Elektromotor soll 120 kW (163 PS) leisten und den Wagen auf bis zu 179 Stundenkilometer beschleunigen. In 9,5 Sekunden soll es aus dem Stand auf 100 km/h gehen – ganze drei Sekunden schneller als im betulicheren ix35 Fuel Cell. Die Brennstoffzelle wurde zudem weiterentwickelt, laut Hyundai liegt der Wirkungsgrad um 60 Prozent höher als im Vorgänger. Damit soll pro Tankfüllung eine Reichweite von fast 800 Kilometern möglich sein. Dabei haben Brennstoffzellenautos einen großen Vorteil: Während batteriebetriebene Elektroautos stundenlang laden müssen, ist der Wasserstofftank in wenigen Minuten wieder voll.

Konkurrenz für zwei Japaner

Aber natürlich weiß auch Manager Meijer, dass bei allen Verbesserungen des Nexo ein Manko bleibt (vom vergleichsweise hohen Preis abgesehen): der Mangel an Wasserstoff-Zapfsäulen. Außerhalb großer Metropolen sind oft über mehr als 100 Kilometer weit keine Tankstellen zu finden, und auch in den Städten sind nicht selten die Zapfsäulen defekt oder nicht rund um die Uhr zugänglich. Es gibt derzeit ohnehin nur 42 deutschlandweit, 33 weitere sind im Bau.

Daher dürften wohl auch den Nexo zunächst eher Flottenbetreiber, vorzugsweise mit eigener Säule, kaufen. Meijer setzt jedoch auf die deutsche Industrie: Ein Konsortium aus OMV, Shell, Linde, Total und anderen Konzernen will bis Mitte des kommenden Jahrzehnts die Versorgung flächendeckend sicherstellen. Und ein Konsortiumsmitglied, Daimler, bringt noch 2018 eine Version des SUV Mercedes GLC mit Brennstoffzelle und zusätzlichem Akku auf den Markt. "Das ist gut", kommentiert Meijer. Konkurrenz belebe schließlich die Nachfrage, vor allem solche aus Deutschland. Die bisher einzigen Wasserstoff-Konkurrenten kommen aus Japan: der Toyota Mirai und der Honda Clarity Fuel Cell, beides Limousinen.