Zuverlässige Autos baut Kia schon lange. Denn sieben Jahre oder 150.000 Kilometer Herstellergarantie zu geben, ist wirtschaftlich nur dann vertretbar, wenn die Qualität stimmt. Aufs Design legten die Südkoreaner lange Zeit weniger wert. Dann kam Peter Schreyer, der zuvor das Design im Volkswagen-Konzern leitete. Bei Kia veränderte er das langweilige in ein attraktives Aussehen der Autos, dafür gewann sein neuer Arbeitgeber auf Anhieb mehrere Preise.

Mittlerweile findet zwischen den drei Designzentren von Kia in Korea, den USA und Deutschland ein interner Wettbewerb statt, wenn ein neues Modell entwickelt werden soll: Wer den besten Entwurf liefert, hat den Auftrag. Der Stinger wurde im europäischen Designzentrum in Frankfurt am Main entwickelt, und die europäische Handschrift steht dem neuen Kia gut. Was für ein schnittiger Wagen – ein so schönes Auto hatte Kia bislang nicht im Portfolio.

Der Kia Stinger ist ein Gran Turismo (GT) im traditionellen Sinn, also ein elegantes, kraftvolles und sportliches Auto für lange Strecken. Von der Form her ist der Koreaner ein viertüriges Coupé: sportliche Front, wuchtiges Heck, kleine Fensterflächen. GT-typisch sind vorne und hinten die langen Überstände der Karosserie über die Räder hinaus. Das Auto ist ein Hingucker, die Leute bleiben stehen, drehen sich nach ihm um.

Er könnte auch als Maserati durchgehen

Den Namen für das neue Modell hat Kia sehr bewusst gewählt. Mit dem Stinger, zu Deutsch Stachel, will der koreanische Autohersteller das kleine Segment der viertürigen Sportlimousinen erobern. Das Ziel: Audi Interessenten des A5 Sportback und BMW Kunden des 4er Gran Coupé abjagen. Die beiden selbst ernannten Premiumhersteller kennen sich mit hochwertigen Fahrzeugen aus. Kann Kia da mithalten?

Auf den ersten Blick ja. Das Design ist geglückt, der Stinger kann selbstbewusst neben den Wettbewerbern parken. Würde ihn sein Emblem nicht als Kia ausweisen, könnte er auch als Maserati oder Porsche durchgehen. Allerdings war Kia im Segment der Sportlimousinen bisher nicht vertreten. Starke Motoren und Allradantrieb sind für den Autobauer Neuland. Der Stinger ist mit einem Diesel- und zwei unterschiedlichen Benzinmotoren zu haben. Der 200-PS-Diesel ist mit der Abgasnorm Euro 6b und angesichts der aktuellen Diskussion um Fahrverbote kaum zu empfehlen.

Die beiden Benziner bieten entweder 188 kW (255 PS) oder 272 kW (370 PS). Der kleine Motor verspricht auf dem Papier indes viel mehr, als er auf der Straße abgibt. Er brüllt wie ein Tiger, hat aber nur die Kraft einer Katze. Sein Kraftstoffverbrauch liegt zudem fast auf dem Niveau des stärkeren Motors, und mit etwas Sonderausstattung rückt man nahe an dessen Preis heran. Die Empfehlung für eine Motorisierung beim Stinger fällt daher leicht: Wer sich das Auto kaufen will, fährt mit dem stärkeren Benzinmotor am besten. Bei ihm allein gibt es die üppige Ausstattungsvariante GT.