Viele Parkbuchten sind so schmal angelegt, dass breitere Autos darin kaum ohne Behinderung der anderen stehen können. Wie sieht es rechtlich aus, wenn ein geparktes breites Fahrzeug die Nachbarautos so behindert, dass ein Einsteigen nicht mehr möglich ist? Was passiert, wenn jemand seinen Wagen so einparkt, dass er mehrere gekennzeichnete Parkbuchten blockiert?, will ZEIT-ONLINE-Leser Clemens Krauthausen wissen.

Großstädter mit eigenem Auto und ohne Abstellplatz kennen das Problem: Parkplätze sind abends oder am Wochenende gerade in Wohnvierteln nur schwer zu finden. Doch auch wenn die Suche nervt, ein Fahrzeug muss grundsätzlich immer so geparkt werden, dass niemand anderes behindert wird. Dabei ist es wichtig, darauf zu achten, dass Fahrer anderer geparkter Autos ohne akrobatische Verrenkungen ein- und aussteigen und mit ihrem Gefährt den Parkplatz verlassen können.

Wird ein Auto versehentlich zugeparkt, stellt dies eine Ordnungswidrigkeit dar, die mit einem Bußgeld geahndet wird. "Erfolgt es aber vorsätzlich, kann das den Tatbestand der Nötigung erfüllen. Hier folgt dann eine Geld- oder Freiheitsstrafe", sagt Christian Janeczek, Fachanwalt für Verkehrsrecht aus Dresden.

Geschah das Zuparken aber versehentlich oder vorsätzlich? Das ist immer eine Nachweisfrage – es hängt von den beweisbaren Umständen ab: beispielsweise ob es unübersehbar war, dass der andere Wagen zugeparkt wurde, oder ob es übersehen werden konnte, etwa bei verdeckten Betonpollern neben dem Parkplatz. Liegt eine Behinderung vor, bewegt sich das Bußgeld zwischen 25 Euro und 35 Euro.

Viele Automodelle werden seit Jahren immer größer. Das verschärft das Problem des Zuparkens noch. Stellplätze sollen zwar stets mindestens 2,30 bis 2,50 Meter breit sein, doch dieser Platz reicht für wuchtige Fahrzeuge kaum. So war der erste VW Golf ohne Spiegel noch 1,61 Meter breit, das Modell Golf 7 braucht mit 1,80 Meter (ohne Spiegel) viel mehr Platz. Ein BMW X5 ist mit Spiegeln sogar 2,20 Meter breit. "Da wird schnell klar, dass zwei Fahrzeuge dieser Größe mit den nebeneinander liegenden Parkbuchten nicht auskommen", sagt Janeczek.

Doch auch wenn die Fahrzeuge größer werden, haben die Fahrer die Pflicht, platzsparend zu parken, betont der Fachanwalt: "Es muss also so nah wie möglich am Nebenmann geparkt werden, jedoch mit so viel Abstand, dass ein vernünftiges Ein- und Aussteigen möglich ist." Wenn dies dazu führt, dass teilweise ein benachbarter Stellplatz mit eingenommen wird, ist dies erlaubt – das bestätigen zahlreiche Urteile.

Das heißt also, dass ein Fahrzeug auch parken darf, wenn es breiter als eine Parkbucht ist. Einzige Ausnahme: wenn auf dem Parkplatz ausdrücklich das Parken für Fahrzeuge ab einer bestimmten Breite untersagt ist. "Dies gilt übrigens auch in Längsrichtung. Ein Stellplatz muss mindestens fünf Meter lang sein, jedoch sind viele Autos bereits länger, etwa ein Audi A8 mit bis zu 5,27 Metern", sagt Janeczek. Häufig ist auf der Anhängerkupplung zusätzlich ein Fahrradträger montiert. Dann ist bereits ein Mittelklassewagen eigentlich zu lang – darf aber in der Praxis dennoch hier parken, so der Rechtsanwalt.

Meistens erfüllen Parkbuchten also nur die Mindestgrößen, auch wenn die Fahrzeuge bekanntermaßen größer sind. "Gerade viele Einkaufszentren werben mit der Anzahl ihrer Stellflächen. Je breiter diese sind, desto weniger wären vorhanden", sagt Janeczek. In engen Straßen von Wohnvierteln gibt es oft kein Durchkommen mehr, wenn auf beiden Seiten große Autos parken. Hier kann es jedoch ein Parkverbot geben: Parken an einer Straßenseite bereits Autos, darf man sein Auto auf der anderen Seite nur dann abstellen, wenn die dazwischenliegende Lücke mindestens 3,5 Meter breit ist.