Fahrverbote in Städten? Muss nicht sein – das ist die Botschaft, die die Autohersteller verbreiten, jetzt, da in Leipzig das Urteil gesprochen ist. Sie hätten eine bessere Idee, um den Schadstoffausstoß in deutschen Innenstädten erheblich zu senken. Und das auch noch rasch und günstig, ganz ohne Gerichte, Plaketten oder aufwändige technische Umrüstungen älterer Autos. Man müsse nur dafür sorgen, dass der Verkehr in den Innenstädten wieder fließen kann, statt an jeder Ampelkreuzung minutenlang zu stocken.

Die vorgeschlagene Lösung heißt also: grüne Welle. Das bedeutet, Ampeln sollten so geschaltet werden, dass nicht alle 50 Meter der gerade erst angerollte Verkehr wieder zum Stillstand kommt und neu anfahren muss. Denn gerade beim Anfahren, so die Argumentation, blasen die Auspuffrohre jede Menge giftiges Zeug in die Luft und verursachen zudem den meisten Lärm. Die grüne Welle sei eine "weitaus intelligentere Maßnahme" als pauschale Fahrverbote, heißt es etwa beim Autokonzern BMW.

Der Autofahrerclub ADAC stimmt zu: Würden Ampeln mit grüner Welle geschaltet, dann würde das die Luftbelastung "spürbar verringern". Ein Dieselfahrzeug stoße auf einer Strecke mit schlecht koordinierten Ampeln rund 60 Prozent mehr Stickoxide aus als nötig. "Die grüne Welle kann einen guten Beitrag leisten, um den Schadstoffausstoß zu senken", findet der ADAC deshalb.

Der Verein zitiert Studien: Wenn Fahrzeuge selten anhielten und mit möglichst gleichmäßiger Geschwindigkeit und kleiner Drehzahl durch die Stadt rauschten, ließe sich der Stickoxidausstoß bis zu 33 Prozent senken, der Feinstaub um 27 Prozent. Eine Untersuchung der TU Wien zur grünen Welle kam gar zum Ergebnis, dass die Reihenschaltung von Ampeln die Menge der ausgestoßenen Schadstoffe um 40, 50, teilweise sogar 60 Prozent reduzieren könne.

Schnell umsetzbar und wirkungsvoll?

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) fordert die "intelligente grüne Welle" sogar ausdrücklich, um den Verkehr besser fließen zu lassen und Staus zu vermeiden. Gute Ampelschaltungen seien schnell umzusetzen und überdies sehr wirkungsvoll, argumentiert der VDA. Damit würden bereits heute viele innerstädtische Messstellen den EU-Jahresgrenzwert für Stickoxide einhalten.

Warum gibt es die grünen Wellen dann nicht schon längst flächendeckend? Das kann ein Blick in die Verkehrsmanagementzentren der Städte beantworten. In München zum Beispiel arbeiten zwar 40 Ampelplaner an einer möglichst flüssigen Schaltung. Es gibt die grüne Welle angeblich auf fast 200 Straßenabschnitten – man erwischt sie nur selten. Nicht, wenn man donnerstagabends um sechs durch die Stadt fährt, und auch nicht sonntagmorgens um sechs.

Man arbeite hart am besseren Verkehrsfluss, teilt die Stadt mit, aber "da sich die Rahmenbedingungen ändern, bedürfen grüne Wellen einer regelmäßigen Überprüfung und Anpassung". Weil sich die Menge des Verkehrs zum Beispiel je nach Tageszeit und Wochentag stark ändert, müsse ständig nachjustiert werden. Eine intensive Überprüfung sei jedoch "aufgrund des hohen personellen und finanziellen Aufwandes" bisher nicht möglich.

Gelegentlich unterstellen Oppositionsvertreter den Stadtpolitikern aber auch, sie wären gar nicht wirklich an einer grünen Welle interessiert. Wenn man CSU-Verkehrsexperten in München fragt, ob mehr Verkehrsfluss nicht die Lösung wäre, lautet die Antwort: Die seit Jahrzehnten regierende SPD sei dagegen, die Grünen sowieso. In beiden Stadtratfraktionen heiße es: "Wenn der Verkehr besser fließt, dann fahren ja noch mehr Leute mit dem Auto."