Nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zu Dieselfahrverboten hat der Präsident der Düsseldorfer Handwerkskammer gefordert, dass die Autoindustrie manipulierte Dieselfahrzeuge auf eigene Kosten nachrüstet. "Die Autoindustrie ist selbstverständlich gefordert, da, wo manipuliert worden ist, kostenlos Hardwarelösungen anzubieten, damit die Grenzwerte bei den betroffenen Fahrzeugen wieder eingehalten werden können", sagte Andreas Ehlert dem Handelsblatt.

Er warnte außerdem davor, dass die Handwerker unter möglichen Fahrverboten für Dieselfahrzeuge leiden könnten. Eine Umfrage seiner Handelskammer habe ergeben, dass 90 Prozent der Handwerksbetriebe keine Möglichkeit hätten, auf alternative Antriebe umzustellen. Ehlert sagte im Interview, dass es zu Unternehmensschließungen und Arbeitsplatzverlusten kommen könnte. "Die Versäumnisse von Politik und Autoindustrie dürfen nicht auf dem Rücken der Wirtschaft abgeladen werden."

Auch die Grünen hatten bereits gefordert, dass die Hersteller auf eigene Kosten nachrüsten müssen. "Die Autoindustrie muss nach ihrem Betrug per Gesetz dazu gezwungen werden, kostenfrei nachzurüsten", sagte der Fraktionsvorsitzende Anton Hofreiter am Montag im ZDF-Morgenmagazin.

Der globalisierungskritische Blog Campact startete für diesen Zweck gemeinsam mit dem ökologischen Verkehrsclub (VCD) eine Unterschriftenliste. Bisher haben etwa 175.000 Menschen den Appell mit dem Titel "Wer betrügt, muss zahlen!" unterschrieben. 

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks hatte zuvor die Einführung einer deutschlandweiten blauen Plakette vorgeschlagen für den Fall, dass es tatsächlich zu Fahrverboten kommen sollte. Die Plakette solle dann abgasarme Autos kennzeichnen.

Technische Nachrüstung laut ADAC dringend notwendig

Die verkehrspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Daniela Ludwig, teilte mit, dass ihre Fraktion die blaue Plakette ablehne. Sie kündigte an, dass die CDU/CSU die Kommunen vor Ort unterstützen werde, um Fahrverbote zu verhindern. "Insgesamt gilt es, die Automobilindustrie aktiv in die weitere Lösung einzubeziehen," hieß es in der Mitteilung. Was das genau bedeutet, blieb offen.

Laut dem Automobilclub ADAC ist die technische Nachrüstung für Dieselautos dringend notwendig, um Fahrverbote zu verhindern. Der Bund sei "gefordert, zügig die rechtlichen Voraussetzungen auf Bundesebene dafür zu schaffen, Hardwarenachrüstungen für Euro-5-Dieselfahrzeuge zu ermöglichen." Der ADAC hat nach eigenen Angaben mit Tests nachgewiesen, dass die Nachrüstungen schnell und unkompliziert durchzuführen sind. Außerdem führe diese Maßnahme zu erheblichen Emissionsrückgängen: Innerorts könnte der Schadstoffausstoß eines Dieselfahrzeugs der Abgasnorm Euro5 um bis zu 70 Prozent gesenkt werden. "Für besonders belastete Gebiete wie das Stuttgarter Neckartor könnte dies eine Verbesserung der Luftqualität um bis zu 25 Prozent mit sich bringen", schreibt der ADAC.