Am vergangenen Dienstag überraschte die Bundesregierung mit einem drastischen Vorschlag: Um die Luft in Großstädten zu verbessern, wolle sie in mehreren Kommunen einen kostenlosen Nahverkehr ausprobieren. Die Idee löste ein gemischtes Echo aus. Vor allem die Städte wiesen darauf hin, dass bei einem Gratis-ÖPNV der Bund die Lücke füllen müsse, die durch dann fehlende Ticketeinnahmen entstehe – heute sind das immerhin rund die Hälfte der laufenden Kosten.

Hinter dem Vorstoß steckt die Erwartung, dass womöglich mehr Menschen vom Auto auf Bus, Tram und S-Bahn umsteigen, wenn die Fahrten damit kein Geld mehr kosten. Doch würde die Mehrzahl der Autofahrenden in den Ballungsräumen das wirklich tun? Wie müsste der öffentliche Nahverkehr aussehen, damit sie ihr Auto stehen lassen?

Diese Fragen haben wir Ihnen gestellt, mehr als 250 Antworten haben wir erhalten. Wir haben 50 repräsentative Kommentare ausgewählt, die Sie am Ende dieses Textes finden (alle können Sie hier unter dem Aufruf nachlesen). Sie geben einen interessanten Einblick.

Eines ist eindeutig: Die Mehrheit will gar nicht unbedingt einen kostenlosen Nahverkehr. Nur preiswerter sollte er werden – und mit einfacheren Preisen statt komplizierter, verwirrender Tarifstrukturen.

Außerdem müsste der Nahverkehr erheblich ausgebaut werden. Das Gros unserer Leserinnen und Leser wünscht sich eine höhere Taktung, auch außerhalb der Stoßzeiten, abends und am Wochenende. Außerdem sollten Anschlussverbindungen besser aufeinander abgestimmt sein, da man sonst beim Umsteigen unnötig lange warte und mit dem Auto doch schneller am Ziel sei. Ein unpünktliches, unzuverlässiges Angebot wird in vielen Antworten bemängelt.

Der Wunsch, das Handy im Bus zu laden

Manche kritisieren in ihren Städten das sternförmige Streckennetz: "Ich bin schneller am anderen Ende der Stadt als im benachbarten Stadtviertel", schreibt zum Beispiel ein Leser aus München. Als erst recht unzureichend sehen viele den ÖPNV außerhalb der Innenstädte: Der Speckgürtel müsste viel besser angebunden werden, mahnen mehrere Leser. Sinnvoll wären auch mehr Park-and-Ride-Parkplätze, damit Pendelnde aus dem ländlichen Raum am Stadtrand ihr Auto abstellen und dann mit öffentlichen Verkehrsmitteln ins Zentrum fahren können.

Doch warum verweigern sich manche Bus und Bahn und fahren mit dem Auto durch die Stadt? Das hat individuelle Gründe. Die einen fühlen sich vor allem zu Randzeiten einfach nicht sicher in den Öffis, andere halten die Haltestellen und die Fahrzeuge für zu dreckig oder finden es zu umständlich, etwa seine Einkäufe mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause zu transportieren. Gewünscht wird auch mehr Service: etwa die Möglichkeit, in Bus oder Bahn kostenlos das Smartphone laden oder WLAN nutzen zu können.

Wie sollte der Ticketpreis aussehen, wenn man den ÖPNV schon nicht ganz kostenlos macht? Denkbar wären einerseits einfache Preise, zum Beispiel ein Euro pro Fahrt, oder eine Flatrate etwa in Form einer Jahreskarte, die deutschlandweit gilt. Zur Deckung der ÖPNV-Kosten empfehlen Leserinnen eine Anhebung der Mineralölsteuer oder der Parkgebühren in den Städten – oder eine Citymaut.

Grafik: Julian Stahnke

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