Am Ende einer Autofahrt steht immer die Frage: Wohin jetzt mit dem Wagen? Etwa ein Drittel des Stadtverkehrs ist Studien zufolge auf parkplatzsuchende Autofahrerinnen und Autofahrer zurückzuführen, die ihre Kreise ziehen, um eine freie Lücke zu finden. Wie einfach wäre es da, könnte man im Navi das Ziel "freie Parklücke in der Nähe, passend für mein Auto" eingeben.

Tatsächlich ist diese Wunschvorstellung gar nicht mehr so weit entfernt. Und im nächsten Schritt muss man gar nicht mehr selbst einparken. Schon heute erleichtern zahlreiche Park-Apps für das Smartphone Suche und Bezahlung von Parkplätzen.

ParkNow und Ampido zeigen Parkmöglichkeiten mit Preisen in der Umgebung an und vereinfachen vor allem das Bezahlen. Auch bei EasyPark, Park.Me oder Park and Joy muss man kein Ticket mehr ziehen, sondern die Abrechnung erfolgt automatisch und minutengenau über das Smartphone. Auch das Nachlösen aus der Ferne ist möglich. Mehrere Apps ermöglichen zudem das Reservieren von Parkplätzen. Verschiedene Parkhausbetreiber bieten Park-Apps an, die eine aktuelle Übersicht über die freien Plätze in der Tiefgarage oder auf dem Parkdeck geben.

Andere Park-Apps gehen weiter. Sie zeigen Parkplätze am Straßenrand an, die mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit frei sind: Die App ParkU beispielsweise nutzt Informationen von Inrix. Der Verkehrsdatenanbieter verknüpft sogenannte historische Daten – also wo in der Vergangenheit um eine bestimmte Uhrzeit wenig los war – mit Echtzeitdaten über die aktuelle Verkehrslage und berechnet, wo statistisch gesehen die besten Chancen bestehen, einen Parkplatz zu finden. Auch der neue BMW 5er nutzt solche Daten, um über sein Navi die Parkplatzsuche zu vereinfachen.

Bosch arbeitet an Echtzeit-Karte der freien Parkplätze

Informationen zum sogenannten On-Street-Parking gibt auch der Navi-Hersteller TomTom. Die Niederländer berechnen die Wahrscheinlichkeit, eine Parklücke zu finden, und geben die durchschnittliche Suchdauer anderer Autofahrer an dieser Stelle an. Das errechnet ein Algorithmus, der anhand von GPS-Daten typische Verhaltensweisen von Parkplatzsuchern erkennt: gleichmäßige Geschwindigkeit oder ständiges Im-Kreis-Fahren. Der Dienst funktioniert in gut zwei Dutzend Städten in Deutschland, unter anderem Hannover und München. Er wird in Neuwagen implementiert, die als fest installiertes Navi TomTom nutzen.

Was bisher noch nicht klappt: in Echtzeit einen konkreten freien Parkplatz am Straßenrand anzeigen. Ein Dienst, der das möglich macht, soll aber noch in diesem Jahr starten. Der Zulieferer Bosch arbeitet an einer digitalen Echtzeit-Karte der freien Parkplätze, und nach Pilotprojekten mit verschiedenen Herstellern im vergangenen Jahr soll der Dienst 2018 in Serie gehen.

Der Clou: Im Vorbeifahren, also ohne dass die Fahrerinnen und Fahrer selbst aktiv werden müssen oder überhaupt etwas merken, finden und melden Autos selbstständig freie Stellplätze am Straßenrand. Mit den Ultraschallsensoren des Parkassistenten – immerhin fast jedes dritte Neufahrzeug heute hat sie – vermessen die Wagen automatisch Lücken zwischen parkenden Fahrzeugen, während sie in der Stadt unterwegs sind. Die Informationen werden an den jeweiligen Fahrzeughersteller gesendet und anonymisiert an die Bosch-Cloud weitergeleitet. Eingefügt in eine digitale Parkplatzkarte stellt der Zulieferer sie den Fahrzeugherstellern wieder zur Verfügung, und der parkplatzsuchende Autofahrer kann sie sich über sein Navi anzeigen lassen.

Bosch geht davon aus, dass 2020 alle neu zugelassenen Fahrzeuge in Märkten wie Europa oder Nordamerika mit dem Internet verbunden sein werden. Denn auf Schwarmintelligenz kommt es beim sogenannten Community-based Parking an. Je mehr Fahrzeuge teilnehmen, desto genauer und umfangreicher ist der Service. Das geht so weit, dass Länge und Breite der Lücke angegeben werden können – die Autofahrerin kann also vorher sehen, ob ihr Fahrzeug hineinpasst.

Im Idealfall muss der Autofahrer natürlich gar nicht mehr selbst suchen oder in die Lücke kurbeln. Wie das gehen könnte, zeigen Daimler und Bosch im Parkhaus des Mercedes-Benz Museums in Stuttgart. Der Fahrer steigt aus und gibt per Smartphone den Parkbefehl, Sensoren im Parkhaus überwachen den Fahrkorridor bis in die freie Parklücke und dirigieren das Auto fahrerlos dorthin. Von März an können Besucherinnen und Besucher des Museums den Service selbst ausprobieren. Dafür stehen zwei Mercedes E-Klassen bereit.