An Kreuzungen wird es für Radfahrer und Radfahrerinnen besonders gefährlich. Das hat erst kürzlich wieder ein schwerer Verkehrsunfall in Berlin bewiesen: Eine Frau wollte geradeaus fahren, der Lastwagenfahrer neben ihr bog nach rechts ab, übersah die Radlerin offenkundig und erfasste sie. Die 52-Jährige starb noch am Unfallort.

Immer wieder kommt es zu solchen tödlichen Abbiegeunfällen zwischen motorisierten Fahrzeugen und Radfahrern. 40 Prozent aller Unfälle mit Radfahrern sind Abbiegeunfälle. Bei 91 Prozent davon liege die Hauptschuld bei den Fahrzeugführern, sagt Martin Budde mit Verweis auf Unfallstatistiken. Der Erfinder aus Schleswig-Holstein will das nicht länger hinnehmen – er hat ein neues Verkehrswarnsystem namens Bike-Flash erfunden, das Radfahrer, aber auch Fußgänger und Skateboarder vor Abbiegeunfällen schützen soll.

Anders als Abbiegeassistenten im Fahrzeug, die nur für Lkw existieren, wird Bike-Flash im Straßenraum fest installiert. Beim Rechtsabbiegen ist die Zone unmittelbar rechts neben dem Fahrzeug als toter Winkel schlecht einsehbar, hier macht sich Bike-Flash die unterschiedliche Wärmeabstrahlung der Objekte im Raum zunutze. "Bike-Flash überwacht genau diese Zone permanent durch Wärmesensorik", erklärt Budde. Erkennt das System im Wärmebild etwa einen nahenden Radfahrer, dann aktiviert es an einem fest installierten Mast vier Warnlichter.

Diese seien in unterschiedlichen Höhen angebracht, erläutert Budde, denn dann blieben sie sowohl aus der hoch liegenden Fahrerkabine eines Lkw als auch aus einem Pkw während des gesamten Abbiegevorgangs sichtbar. Selbst wenn erst während des Abbiegens ein Radfahrer plötzlich im toten Winkel auftauche, warne das gelbe Leuchtsignal den Fahrer des Kraftfahrzeugs. Damit sei noch immer eine schnelle Reaktion möglich.

Warnung dank Wärmebild

"Heutige Pkw haben meistens breite B-Säulen – dahinter kann ein Radfahrer in diesem toten Winkel optisch einfach verschwinden", sagt Budde. "Bei Lieferwagen oder Lkw ist es durch die Höhe der Sitzposition und die Fahrzeugaufbauten noch schwieriger. Auch über die Rückspiegel kann ein Fahrer den Bereich nicht komplett einsehen. Selbst, wenn der Kfz-Fahrer dort gerade erst hingeschaut hat – schon eine Sekunde später kann hier plötzlich ein Fahrradfahrer auftauchen."

Bike-Flash überwacht laut Budde den toten Winkel bis zu einer Breite von vier und einer Annäherungstiefe von 40 Metern. "Sobald eine Person – also ein Radfahrer, Fußgänger oder auch Skater – in diese Zone hineinkommt, hebt sie sich durch ihr Wärmebild deutlich von der Umgebung ab. Die Software gleicht im Hintergrund permanent die neu erfassten Bilder mit Referenzbildern ab und alarmiert, sobald sie eine Veränderung erkennt." In Sekundenbruchteilen würden die gelben Leuchtbänder aktiviert, um blinkend zu warnen. Doch auch, wenn sich jemand direkt am Standort des Masts befindet, beginnen die LED-Leuchten zu blinken.

Als zusätzlichen Sicherheitsaspekt bezeichnet der Erfinder den Standort des Systems, nämlich direkt am Abbiegepunkt. Wartende hätten an dieser Position eine sichere Stellung, da vor allem Lkw-Fahrer mit Anhänger eine besonders saubere Linie einhalten müssten. Damit sei das Schneiden der Kurve ausgeschlossen, die Schleppachse berge so keine Gefahr mehr.

Wohl zu teuer für flächendeckende Verbreitung

Wichtig ist, dass Bike-Flash wetterunabhängig funktioniert. "Wir haben das System unter sämtlichen Wetter- und Lichtbedingungen getestet – ohne Ausfälle", betont Budde. Langzeitanalysen mit 550 Testreihen bei extremen Witterungsbedingungen sowohl bei Tag als auch in der Nacht hätten eine 100-prozentige Trefferquote ergeben. Weder Starkregen noch heftige Sonneneinstrahlung oder Dunkelheit habe das Erkennen der Wärmeabstrahlung beeinflusst. Der TÜV habe das System überprüft und zertifiziert.

Seit Anfang 2018 wird die Anlage von Husum aus europaweit angeboten. Abhängig davon, wie stark die aus der Wehrtechnik kommenden Sensoren ausgelegt sind, schwankt der Preis einer Bike-Flash-Säule zwischen 15.000 und 20.000 Euro. Bei Schnellradwegen und stark frequentierten Kreuzungen empfiehlt sich die teuerste Lösung, bei der die Sensoren bereits auf 40 Meter entfernte Radfahrer reagieren. Das ist viel Geld für Kommunen, die vielerorts in Deutschland unter schlechter Kassenlage leiden.

Daher dürfte sich Bike-Flash kaum flächendeckend, sondern höchstens punktuell verbreiten. Vor allem für Städte, die den Fahrradverkehr stärken wollen, könnte eine solche Investition interessant sein, um zumindest die Kreuzungen sicherer zu machen, die für Tote-Winkel-Unfälle besonders anfällig sind. Mehrere Städte in Deutschland haben jedenfalls laut dem Erfinder Interesse an seinem System signalisiert, etwa die Stadt Flensburg.