Der Automarkt in der Krise? Von wegen. In den ersten beiden Monaten dieses Jahres ist die Zahl der zugelassenen Neuwagen im Vergleich zum Vorjahr um 9,3 Prozent gestiegen, der Gesamtbestand wächst auf über 46 Millionen Pkw und Volkswagen weist einen Gewinn von 11,4 Milliarden Euro aus. Das ist keine Krise, sondern ein Erfolg des Konzepts Autos an sich.

Dennoch zeigt die aktuelle Statistik des Kraftfahrtbundesamts (KBA) eine starke Verschiebung beim Antriebsmix. Die Nachfrage nach dem Dieselmotor lässt stark nach, nur noch 32,5 Prozent der Käuferinnen und Käufer wollten im Februar einen Selbstzünder haben. Im Februar 2017 waren es noch 43,4 Prozent und 2016 sogar 47,2 Prozent. Ein krasser Einbruch. Dafür boomen Benziner und alternative Antriebe – auf einen batterieelektrischen VW Golf oder Hyundai Ioniq müssen Besteller ein Jahr warten.

Es wäre allerdings zu einfach, den Abschwung des Dieselmotors allein dem Skandal um manipulierte Abgaswerte zuzuschieben. Der Rückzug aus dem Pkw war lange vor Dieselgate absehbar. Schon der 2011 vorgestellte VW Up konnte nie als TDI geordert werden und auch in der Klasse darüber ist das Aus des Diesels beschlossen. Zu teuer, heißt es aus Fachkreisen. Die aufwändige Hardware, die notwendig ist, damit die Abgase die vorgeschriebenen Werte erfüllen, rechnet sich in vielen Fahrzeugsegmenten nicht mehr.

Dieselmotor hat kaum noch Vorteile

Daimler zum Beispiel macht kein Geheimnis daraus, dass ein moderner Diesel-Pkw ungefähr so viel Platin für die Katalysatoren benötigt wie ein Auto mit Brennstoffzelle. Es geht ums Geld, und die Kosten der Abgasreinigung wären unabhängig von aller öffentlichen Hysterie kräftig gestiegen.

Dazu kommt, dass sich ein industrieller Glaubenssatz als Mythos entpuppt hat: Der Dieselmotor hat keinen feststellbaren signifikanten Vorteil bei den CO2-Emissionen gegenüber dem Benziner. Das belegt etwa der Volkswagen Golf: Ein TDI mit 85 kW (115 PS) Leistung und Schaltgetriebe stößt 106 Gramm CO2 pro Kilometer aus, ein vergleichbarer TSI mit 81 kW (110 PS) kommt auf 108 Gramm. Das bedeutet zugleich, dass für den Autofahrer der Verbrauchsvorteil geschmolzen ist – sprich: Der Aufpreis des TDIs amortisiert sich seltener. Die Folge: Vom Golf wurden zuletzt lediglich 22,6 Prozent als TDI verkauft. Gewinner dieser Entwicklung ist der Benziner, auf den im Februar zwei Drittel aller Neuzulassungen entfallen.

Benzin-Direkteinspritzer mit Turboaufladung sind sparsam und kraftvoll. Bei Rußpartikeln aber haben sie ein Problem: Die Zahl der ausgestoßenen Partikel muss für Benziner ab dem Erstzulassungsdatum 1. September 2018 um den Faktor zehn sinken. Zugleich erfolgt die Prüfung der Abgase im strengeren Messverfahren WLTP und nicht mehr im alten NEFZ. Darum werden Filter für Benzinmotoren mit Direkteinspritzung flächendeckend eingeführt. Diese sind für die Hersteller günstig; Branchenkenner gehen von 15 bis 50 Euro pro Fahrzeug aus. Potenzielle Käufer sollten unbedingt darauf achten, dass der Wagen mit dem Partikelfilter ausgestattet ist.