Die Europäische Union hat sich zum Ziel gesetzt, aus Gründen des Klimaschutzes die Treibhausgas-Emissionen zu reduzieren. Das gelingt in den Privathaushalten, in der Energiewirtschaft und in der Industrie: In diesen Bereichen sind die Emissionen zwischen 1990 und 2017 deutlich zurückgegangen, um 25, 26 und 37 Prozent. Im Verkehr hingegen haben die Emissionen um 23 Prozent zugenommen. "Der CO2-Ausstoß der einzelnen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor ist seit Jahren konstant", sagt Eckard Helmers, "doch weil mehr gefahren wird, steigen die Emissionen im Verkehrssektor."

Helmers ist Professor an der Hochschule Trier, mit Schwerpunkt auf zukunftsfähiger Mobilität. Die veröffentlichten Rückgänge der durchschnittlichen CO2-Emissionen würden nur auf dem Papier erreicht, sagt er, dank Tricksereien der Automobilindustrie. Die Zukunftslösung heißt: Elektromobilität. Allerdings sind Elektroautos nur dann sauber unterwegs, wenn sie mit grünem Strom aus Windrädern oder Fotovoltaik fahren. Immerhin: Selbst bei Verwendung des heutigen Stroms in Deutschland – der teils aus erneuerbaren Quellen stammt, aber eben zu rund 40 Prozent aus Kohle – haben Elektrofahrzeuge gegenüber Verbrennern schon einen marginalen Vorteil in der Ökobilanz, hat Helmers ausgerechnet.

Bei konventionellen Autos ist demnach der CO2-Ausstoß im Vergleich zum Stromer in der Produktion geringer, aber im Betrieb höher. Genau umgekehrt ist es bei Elektroautos: mehr CO2 in der Produktion, viel weniger im Betrieb. "Nach wenigen Jahren ist die Ökobilanz des Elektroautos insgesamt besser, und je mehr Grünstrom verwendet wird, umso besser wird die Bilanz", sagt Helmers.

Windkraft ersetzt nur Atomenergie

Das Problem dabei ist nur: So viel grüner wird der Strom in Deutschland auf absehbare Zeit nicht. Darauf weist das Umwelt- und Prognose-Institut UPI in Heidelberg hin, das sich die ökologischen Folgen von Elektroautos angeschaut hat. Demnach wird derzeit etwa ein Drittel unseres Stroms aus regenerativen Quellen erzeugt, allen voran mit Windrädern. Zwar steigt der Anteil des Grünstroms am Energiemix seit Jahren – der Zuwachs gleicht aber vor allem den Rückgang an Atomstrom aus.

Das heißt: Unter dem Strich ändert sich an der Emissionsmenge von CO2, den Braun- und Steinkohlekraftwerke ausstoßen, vorerst nichts. Das Fazit von Dieter Teufel, dem Leiter des UPI: "Der Ausstieg aus der Atomkraft ist zwar sinnvoll, dem Klimaschutz aber hilft er nicht." Wenn es in dem bisherigen Tempo weitergeht, werde die Stromerzeugung erst ab etwa 2035 klimafreundlicher. Ein nennenswerter Rückgang an CO2 findet bis dahin nicht statt, denn Grün- ersetzt nur den ebenso CO2-neutralen Atomstrom. "Es ist ein Missverständnis in der Öffentlichkeit, wenn sie denkt: Je mehr Strom wir mit Wind und Sonne erzeugen, umso sauberer ist er."

Was bedeutet das für den Umstieg auf die Elektromobilität? Knapp 46 Millionen Autos sind derzeit in Deutschland zugelassen, mit diesen werden rein rechnerisch pro Fahrzeug und Jahr rund 14.000 Kilometer zurückgelegt. "Angenommen, der bestehende Fuhrpark würde durch Elektrofahrzeuge ausgetauscht, dann würde das unseren Stromverbrauch um 20 bis 25 Prozent erhöhen", sagt Teufel. Und zwar eben mit dem dreckigen Strommix – laut Umweltbundesamt entstanden 2016 bei der Erzeugung einer Kilowattstunde Strom im Schnitt rund 530 Gramm CO2.