Der Erfolg von Tesla mit seinen teuren Elektroautos hat die selbsternannten Premiumhersteller kalt erwischt. Zuerst in den USA, mittlerweile auch in Europa hat das Tesla Model S die Mercedes S-Klasse, die 7er-Reihe von BMW und den Audi A8 beim Absatz überholt. Noch immer haben die süddeutschen Marken kein Gegenmittel auf die Straße gebracht.

BMW immerhin kam mit dem i3 dem kleineren Model 3 der Amerikaner zuvor, demnächst wollen die Münchener mit dem größeren i5 ihr Angebot ausweiten. Audi, Mercedes und Porsche hingegen sind – wie im übrigen auch Volvo – zwar Meister der Ankündigung, aber kaufen können wird man ihre "Tesla-Killer" erst 2019.

Nur ein Hersteller macht schon Ernst, und der kommt aus England: Jaguar. Der i-Pace ist schon zu bestellen und soll im Spätsommer ausgeliefert werden. Das wäre angesichts der enormen Lieferfristen bisheriger Elektromobile – einschließlich des Tesla Model 3 – ein irres Tempo, ist aber auch erst mal zu beweisen. Vom Band läuft der i-Pace in Graz: Magna Steyr fertigt das Elektro-SUV im Auftrag der Engländer.

Ähnliche Reichweite, geringerer Preis

Ausgerechnet Jaguar – die Marke, die jahrzehntelang für sechszylindermotorisierte Sportwagen stand – wird also zum ersten echten Tesla-Konkurrenten. Der i-Pace ist ein schickes, edles SUV mit Elektroantrieb: mit hohem Lifestyle-Faktor und mit 294 kW (400 PS) standesgemäß motorisiert. Die Leistung kommt von zwei Elektromotoren, je einer pro Achse – das Elektro-SUV ist also ein Allrader.

Mit dem Preis von 77.850 Euro unterbietet Jaguar das Model S und auch das Flügeltürer-SUV-Model X von Tesla deutlich. Zugleich bietet der i-Pace aber eine ähnlich große Reichweite: 540 Kilometer je Akkuladung auf Basis der sehr optimistischen EU-Norm NEFZ. Der Hersteller gibt bereits den Wert auch im neuen realistischeren WLTP-Zyklus an: Das wären immer noch 480 Kilometer.

Fast noch wichtiger ist vielen Kunden eine schnelle Ladung. Wie die Teslas an ihren Supercharger-Säulen tankt das Jaguar-SUV Gleichstrom, der deutlich zügiger in den Akku fließt als der übliche Wechselstrom. In 40 Minuten soll der leere Stromspeicher zu 80 Prozent befüllt sein. Er hat eine Kapazität von 90 Kilowattstunden (kWh). Zum Vergleich: Das Tesla Model X ist mit 75 oder 100 kWh großer Batterie erhältlich, die kleinere bietet eine Reichweite nach NEFZ von 417 Kilometern, die größere von bis zu 565 Kilometern.

Ladegeschwindigkeit und Reichweite konnte ZEIT ONLINE zwar noch nicht überprüfen, wohl aber bei einer ersten Runde auf abgesperrtem Gelände die Fahreigenschaften. Schon beim Einsteigen fällt auf: Obwohl der i-Pace mit 4,68 Metern deutlich kürzer ist als die Fünfmeter-Brummer von Tesla, bietet er für Fahrer, Beifahrer und die Passagiere auf der Rückbank dank seines langen Radstandes genauso viel Platz. Nur auf eine dritte Sitzreihe muss man verzichten.

"Kein Auto gegen jemanden"

Wie in den Teslas dominieren große Touchscreens das Cockpit, allerdings nicht als ausladendes Einzelinstrument im Stil eines iPad, sondern als zwei in die Mittelkonsole integrierte Displays. Beim Model S galten die virtuellen Instrumente noch als wichtiger Kaufgrund für viele Kunden, aber mittlerweile ist das bei vielen Herstellern Standard. Der Überraschungseffekt hält sich da also in Grenzen.

Der stellt sich dafür beim Fahren ein: So flink vom Stand weg beschleunigen eben nur Elektroautos, und der Jaguar kann mit den ähnlich motorisierten Tesla-Versionen absolut mithalten. Man bemerkt beim Fahren zwar das hohe Gewicht, aber die schweren Akkus sind tief unten im Wagenboden verbaut, sodass der Schwerpunkt günstig liegt und der i-Pace somit erstaunlich behände durch Kurven und um Ecken fährt. Dabei summt der Wagen schön elektromäßig.

Er bietet also alles, was Fans leistungsstarker Elektromobile schätzen. Ein Tesla-Rivale ist er auf jeden Fall. Ob er auch ein Tesla-Killer wird, muss der i-Pace noch beweisen, wenn er ab Sommer im Handel ist. So lange kann man sich mit den Worten von Wolfgang Ziebart, Jaguars ehemaligem Technikvorstand und Vater des i-Pace, begnügen: "Wir haben kein Auto gegen jemanden gemacht, sondern eines, das wir für richtig halten."