Bald soll der erste Flixtrain auf die Strecke gehen: Der Regelbetrieb für die grünen Züge beginnt am 24. März zwischen den Städten Hamburg, Essen, Düsseldorf und Köln. Ab Mitte April soll dann eine weitere Linie zwischen Stuttgart und Berlin hinzukommen.

Mit seinen Fernbussen ist Flixbus schon gut im Geschäft – auf der Schiene aber, zumindest im Fernverkehr, hat es bislang noch kein Unternehmen geschafft, der Deutschen Bahn wirklich Konkurrenz zu machen. Gelingt es Flixbus jetzt? Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu den Plänen des Unternehmens.

Wer fährt außer der Deutschen Bahn bisher durch Deutschland?

Im Fernverkehr kaum jemand. Dort hat die Deutsche-Bahn-Tochter DB Fernverkehr ein Quasi-Monopol, obwohl das Netz seit der Bahnreform Mitte der Neunzigerjahre grundsätzlich für Wettbewerber geöffnet ist. Die wenigen Konkurrenten sind klein und nur von regionaler Bedeutung, so etwa RDC Deutschland, die den Autozug nach Sylt betreiben, der Harz-Berlin-Express, der nur am Wochenende fährt, und das Unternehmen Train4you, dessen Nacht- und Autoreisezüge in der Urlaubssaison unterwegs sind. Auch der belgische Hochgeschwindigkeitszug Thalys zählt auf deutschem Gebiet, zwischen Aachen und Dortmund, als Konkurrent der DB Fernverkehr.

Warum hat die DB Fernverkehr so wenig Konkurrenz?

Grundsätzlich kann jedes Eisenbahnunternehmen Fernzüge betreiben. Dafür beantragt es die Gleisnutzung bei der DB Netz, einer weiteren Bahn-Tochter, und zahlt Trassengebühren. Anders als im Regional- gibt es im Fernverkehr aber keine öffentlichen Zuschüsse und keine Verträge zwischen Anbietern und staatlichen Stellen. Das macht den Betrieb riskant, denn er ist sehr kapitalintensiv. Die Fahrgastzahlen und mit ihnen die Ticketeinnahmen schwanken.

Für die große DB Fernverkehr ist das kein nennenswertes Problem: Sie fährt so viele Züge, dass auch leere Wagen – vor allem in der Wochenmitte – in einer Mischkalkulation ausgeglichen werden können. Die kleinen Anbieter hingegen betreiben in der Regel zunächst nur eine Strecke mit nur wenigen Verbindungen pro Tag. Ist dann etwa an einem Mittwoch der Zug fast leer, machen sie Verlust.

Daran sind schon einige gescheitert. Der im Juli 2012 gestartete Hamburg-Köln-Express (HKX) etwa gab an, ab einer Auslastung von 70 Prozent wirtschaftlich zu arbeiten, erreichte diese Quote aber nicht. Nach wenigen Jahren stellte HKX seine Züge dienstags und mittwochs ein und schränkte den Betrieb an Montagen und Donnerstagen ein. Seit Herbst 2017 pausiert HKX ganz.

Ähnlich lief es bei Locomore, der ab Ende 2016 zunächst einmal pro Tag zwischen Stuttgart und Berlin fuhr. Weil die Auslastung nicht schnell genug stieg, schmolz das angesammelte Kapital dahin: Im Mai 2017 meldete Locomore Insolvenz an und beendete den Betrieb. Der ostdeutsche InterConnex zwischen Leipzig und Rostock lief immerhin zwölf Jahre lang, 2014 wurde er aus Kostengründen eingestellt.

Was macht Flixbus jetzt anders?

Erst einmal nichts. Die neue Flixbus-Sparte Flixtrain firmiert nur die bisherigen Strecken von HKX und Locomore um. Flixtrain fährt die Züge auch nicht selbst, sondern übernimmt lediglich den Ticketvertrieb. Für den ganzen Rest arbeitet man mit Eisenbahnunternehmen zusammen, die auf den beiden Linien den Zugbetrieb abwickeln.

Auf der ersten Strecke zwischen Hamburg und Köln stellt und betreibt das Nürnberger Unternehmen BahnTouristikExpress die Züge, wie früher schon für HKX. Der Zug soll einmal täglich außer mittwochs fahren – auch Flixtrain scheut die auslastungsarme Wochenmitte.

Ähnlich soll die zweite Strecke funktionieren, die frühere Locomore-Verbindung Stuttgart–Berlin. Sie wird jetzt vom tschechischen Betreiber Leo Express gefahren, der im Sommer 2017 die pleite gegangene Locomore übernommen hatte. Künftig fahren auch hier Flixtrains, zunächst einmal pro Tag von Donnerstag bis Montag.

Das ist ein Anfang, aber keine wirkliche Konkurrenz für die Deutsche Bahn, die täglich allein mehrere Hundert ICE-Züge und viele weitere IC fahren lässt. In diesem Jahr will Flixtrain eigenen Angaben zufolge eine halbe Million Passagiere befördern. Zum Vergleich: Die DB Fernverkehr zählte allein im ersten Halbjahr 2017 rund 68 Millionen Kunden.