Rund 1.000 Autohäuser und Kfz-Meisterbetriebe gibt es allein in der Region Stuttgart. Sie haben 12.000 Mitarbeiter, gut 2.000 Auszubildende. "Dieselskandal und Fahrverbote gefährden viele Betriebe in ihrer Existenz und damit Arbeitsplätze", warnt Christian Reher, der Geschäftsführer der Kfz-Innung der Region Stuttgart.

Das Problem: Die Höfe der Händler stehen voller Dieselautos aus zweiter, dritter oder weiterer Hand; im August vergangenen Jahres waren es deutschlandweit etwa 300.000 Diesel-Pkw der Abgasnorm Euro 5 im Gesamtwert von rund 4,5 Milliarden Euro. Inzwischen ist der Bestand bei den Händlern weiter gestiegen. Angesichts der Dieseldebatte sind viele dieser Autos inzwischen nur noch mit erheblichem Preisabschlag verkäuflich: Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des CAR-Instituts an der Uni Duisburg-Essen, hat jetzt einen Wertverlust gebrauchter Diesel von rund 15 Prozent errechnet. "Den finanziellen Schaden haben die Händler", sagt Reher. Bekommen sie keine Hilfe, droht vielen der Konkurs.

Dabei steckt das Kfz-Gewerbe ohnehin schon in der Krise. Im vergangenen Jahr meldeten laut der Wirtschaftsauskunftei Creditreform 640 Unternehmen aus der Branche Insolvenz an, das entspricht einer Zunahme gegenüber 2016 von rund zehn Prozent. Zum Vergleich: Insgesamt ging die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland um gut sechs Prozent zurück.

Im Kfz-Gewerbe im Norden ging die Zahl der Insolvenzen zurück, in den südlichen Bundesländern stieg sie teils deutlich – in Baden-Württemberg gar um 38,5 Prozent. "Das hat mit der Diskussion um Fahrverbote in Stuttgart zu tun", sagt Michael Bretz, Leiter der Wirtschaftsforschung bei Creditreform. Berichte in den Medien hätten Käufer in der Region verunsichert, so seine Vermutung. Wie Innungschef Reher rechnet auch Bretz damit, dass wegen des schlechten Rufs, die der Dieselantrieb inzwischen genießt, die Insolvenzen in der Branche weiter steigen werden.

Reher gibt mindestens eine Mitschuld den Herstellern: Die Automobilindustrie verscherze es sich nicht nur mit den Kunden, sondern genauso mit den Händlern. "Die Hersteller sollten dem Handel helfen, Wertverluste gebrauchter Diesel auszugleichen", fordert er. Seit Mitte vorigen Jahres stehen gebrauchte Dieselfahrzeuge im Schnitt länger auf dem Hof der Händler, und ihr Wert, gemessen am Listenneupreis, sinkt stärker. Das zeigt das Diesel-Barometer der Deutschen Automobil Treuhand (DAT).

Im Frühjahr 2017 fingen die Diskussionen um mögliche Fahrverbote an. "Seitdem stellen wir einen Rückgang im Verkauf von Dieselneuwagen fest, vor allem in den betroffenen Regionen", sagt Thomas Peckruhn, der Vizepräsident im Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), der Dachorganisation des Kfz-Gewerbes. Die Manipulationen von Volkswagen waren zwar schon im September 2015 aufgeflogen, doch hatte sich danach am Kaufverhalten zunächst wenig geändert. Von Januar 2017 bis Januar 2018 aber schrumpfte der Dieselanteil an den Pkw-Neuzulassungen von 44 auf 33 Prozent.

Das Fahrverbotsurteil von voriger Woche erhöht den Druck jetzt. Die Standzeiten werden wohl noch länger, ältere Dieselfahrzeuge sind nur noch stark reduziert oder überhaupt nicht mehr zu verkaufen; Autos mit Benzinmotor profitieren. "Das Kfz-Gewerbe und Dieselfahrer zahlt die Zeche, wenn wir uns nicht durchsetzen mit unserer Forderung nach Hardware-Nachrüstungen, für die die Hersteller die Kosten übernehmen oder sich zumindest daran beteiligen", sagt Peckruhn. Er sieht die Automobilbauer dazu verpflichtet.