ZEIT ONLINE: Sie haben Anfang Dezember Mytaximatch in Hamburg gestartet und wollen das demnächst auch in Berlin ausprobieren. Über die App können sich Kunden ein Taxi teilen. Wie gut wird das Angebot angenommen?

Mönch: Besonders junge Leute fragen das Produkt nach, und zwar vor allem donnerstags bis sonntags. Es sind preissensible Nutzer – also Leute, die sonst nie oder nur in Ausnahmefällen Taxi fahren. Darum ist auch die Sorge der Taxifahrer unbegründet, sie würden durch Mytaximatch weniger Touren fahren. In Hamburg ist der neue Service gut gestartet. Bereits zehn Prozent aller Anfragen werden jetzt phasenweise über die mytaximatch Funktion gestellt, über 20 Prozent davon werden bereits erfolgreich gematched. Das Potenzial ist noch lange nicht ausgeschöpft. Wir sammeln weitere Erfahrungswerte und werden das Produkt in den nächsten Monaten stetig verbessern.

ZEIT ONLINE: Wenn sich in Zukunft viele Fahrgäste ein Taxi teilen, weil es bezahlbar ist, locken Sie dann nicht Leute aus sauberen Verkehrsmitteln wie der U-Bahn ins schmutzigere dieselbetriebene Taxi?

Mönch: Der öffentliche Nahverkehr kann die hohe Nachfrage auf lange Sicht nicht alleine befriedigen: Mein Eindruck ist, dass die U-Bahnen eher zu voll als zu leer sind. Aber wir sehen uns durchaus in der Verantwortung, mit den Taxiunternehmern über umweltfreundlichere Antriebe zu sprechen, also über Hybrid-, Wasserstoff- und Elektrofahrzeuge. Allerdings stellen sich an Taxis ganz andere Anforderungen als an Privatautos. Die meisten Taxis sind rund um die Uhr in Betrieb, es läuft das Radio, im Winter permanent die Heizung. Da ist ein rein elektrischer Antrieb sehr limitiert. Ein Hybrid – also ein Fahrzeug mit Verbrennungs- und mit Elektromotor – als Zwischenschritt ist sinnvoll.

ZEIT ONLINE: Mytaxi gehört seit einigen Jahren zum Daimler-Konzern. Der hat sich bisher wenig mit elektrischen oder hybriden Lösungen hervorgetan. Welche Strategie verfolgt Daimler bei der Mytaxi-Flotte? Bisher sind die meisten Wagen ja Mercedes.

Mönch: Für uns ist nicht entscheidend, dass der Taxiunternehmer mit Fahrzeugen von Mercedes-Benz fährt. Ich kann nicht für den Konzern sprechen. Mytaxi ist eine Tochter der Daimler Mobility Services. Dort finden sie zahlreiche Beteiligungen, die Alternativen beziehungsweise Ergänzungen zum Privatfahrzeug darstellen, unter anderem car2go, Flixbus und die Limousinenservices Blacklane oder Chauffeur Privé. Das zeigt ganz deutlich, dass sich Daimler als Mobilitätskonzern positioniert und Lösungen anbietet, den Individualverkehr in den Innenstädten zu reduzieren.

ZEIT ONLINE: In Zukunft wird es auch selbstfahrende Taxis geben, die aber immer noch von Unternehmen betrieben werden. Wird es eines Tages also eine selbstfahrende Mytaxi-Flotte geben?

Mönch: Die Zukunft selbstfahrender Fahrzeuge hat bereits begonnen. Das beobachten wir natürlich sehr genau. Es wird eine unserer Aufgaben sein, mit unseren Fahrern eine gemeinsame Rolle in dieser Zukunft zu definieren. Gleichzeitig muss man festhalten: Das autonome Fahren wird nicht zu einem Stichtag eingeführt, sondern braucht eine jahrzehntelange Übergangsphase – gerade im hochkomplexen innerstädtischen Verkehr. Der Beruf des Taxifahrers wird nicht verschwinden. Er wird sich neu definieren, nicht aussterben.