Freiwilliger Verzicht auf das eigene Auto und Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs: Das schlagen laut eigenen Auskünften der Rathäuser die Städte Herrenberg, Reutlingen und Mannheim der Bundesregierung zur Senkung der Stickoxidbelastung vor. Die drei Orte in Baden-Württemberg gehören zu den Modellstädten, in denen Maßnahmen zur Luftverbesserung in Deutschland getestet werden sollen.

Herrenberg führte eine digitale Verkehrslenkung und -steuerung auf den Hauptverkehrsachsen ein. Auch der öffentliche Nahverkehr soll ausgebaut werden, etwa durch bessere Taktzeiten im Busverkehr und ein vergünstigtes Citymonatsticket. "Für die Umsetzung brauchen wir jedoch die finanzielle und organisatorische Unterstützung des Bundes", sagte Oberbürgermeister Thomas Sprißler (Freie Wähler).

Reutlingen will Dieselfahrer dazu bringen, ihre Wagen stehen zu lassen. Wer für ein Jahr freiwillig auf sein Fahrzeug verzichtet, soll ein kostenloses Jahresabo für den Verkehrsverbund Neckar-Alb-Donau bekommen. Auch die Mitgliedschaft bei einem Carsharinganbieter, Taxigutscheine und eine Bahncard50 könnten angeboten werden.

Klage abwenden

Mannheim habe ein umfassendes Programm zur Einhaltung der Grenzwerte vorgelegt, sagte dessen Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD). Konkret nannte er eine zielgerichtete Ausweitung des Jobtickets für den Einzelhandel oder die Absenkung des ÖPNV-Grundpreises.

Mit diesen Maßnahmen soll eine angedrohte Klage der EU abgewendet werden, die eine Einhaltung der Grenzwerte anmahnt: 2017 wurde der kritische Stickoxidwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter in 70 Kommunen überschritten. Obwohl das 20 Städte weniger als 2016 sind und besonders belastete Ortschaften wie Stuttgart und Hamburg bereits Diesel-Fahrverboten entgegensehen, hält die EU-Kommission diese Anstrengungen für nicht ausreichend und erwartet Nachbesserungen.

Die Bundesregierung hatte im Februar 2018 in einem Brief an den EU-Umweltkommissar Karmenu Vella Verkehrsregulierungen, Niedrigemissionszonen für Schwerlastverkehr, die Förderung von E-Mobilität und einen kostenlosen öffentlichen Nahverkehr vorgeschlagen. Den Gratis-ÖPNV für alle hat der Bund nach Kritik an der Finanzierbarkeit zurückgenommen: Den Kommunen entgingen Ticketeinnahmen. Zudem müssten Milliarden in den Ausbau des Netzes und der Angebote investiert werden, da ein Gratis-ÖPNV die Nachfrage steigerte.

Neben Herrenberg, Reutlingen und Mannheim gehören noch Bonn und Essen zu den Modellstädten.