Die Münchner Staatsanwaltschaft hat die BMW-Zentrale in München sowie das BMW-Dieselmotorenwerk im österreichischen Steyr durchsucht und Ermittlungen wegen Betrugsverdacht bei der Abgasreinigung eingeleitet. BMW hatte Ende Februar mitgeteilt, rund 11.000 Dieselautos mit einer falschen Abgassoftware ausgestattet zu haben. "Es besteht der Anfangsverdacht, dass die BMW AG eine prüfstandsbezogene Abschalteinrichtung verwendet", teilte die Staatsanwaltschaft mit. Die Ermittlungen stünden "erst ganz am Anfang".

BMW spricht von Untersuchungen "im Zusammenhang mit einer fehlerhaft zugeordneten Software". Das Programm sei für die SUV-Modelle X5 und X6 entwickelt, aber irrtümlich auch auf zwei 5er- und 7er-Modelle aufgespielt worden. Dort funktioniere die Abgasreinigung dann nicht mehr korrekt. BMW gehe weiter davon aus, dass es sich bei dem Vorfall "nicht um eine gezielte Manipulation der Abgasreinigung" handelt. Die 11.400 Autos mit der falschen Software sollten nach Genehmigung durch das Kraftfahrtbundesamt zurückgerufen und mit der korrekten Software ausgestattet werden.  

Erneute Razzia bei VW

Der Abgasbetrugsverdacht betrifft auch Volkswagen und die Volkswagen-Tochter Audi. Die Ermittler im Audi-Verfahren sollen sich mit den Ermittlern im BMW-Verfahren ausgetauscht haben, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf anonyme Informanten. Außerdem hatte es Anfang März eine erneute Razzia bei Volkswagen gegeben. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hatte wegen des Verdachts auf Marktmanipulation Büros der Wolfsburger Konzernzentrale durchsucht. Es geht um möglicherweise falsche Verbrauchsangaben und den Ausstoß des klimaschädlichen Gases Kohlendioxid (CO2), sagte der Braunschweiger Oberstaatsanwalt Klaus Ziehe.

Kurz nach Bekanntwerden des Dieselskandals, im November 2015, hatte VW zunächst "Anhaltspunkte für weitere Unregelmäßigkeiten" mitgeteilt. Wenige Wochen später widerrief VW die Angaben und verschickte eine Ad-hoc-Mitteilung, wonach nur neun Modellvarianten und insgesamt rund 36.000 Autos betroffen seien. Die Angaben aus der Ad-hoc-Mitteilung bezweifelt die Staatsanwaltschaft inzwischen. Es gebe Anhaltspunkte, dass die Mitteilung "objektiv inhaltlich falsch" gewesen sei, sagte Ziehe. "Die Staatsanwaltschaft prüft nun, ob Mitarbeiter von Volkswagen grob fahrlässig oder vorsätzlich gehandelt haben", erklärte Ziehe.