Ich dachte immer, dass es kein Problem ist, mit ein paar Drinks noch aufs Rad zu steigen. Freunde meinten neulich aber, ich könne sogar meinen Führerschein verlieren, wenn ich betrunken Rad fahre. Stimmt das? Und können auch betrunkene Fußgänger Ärger mit den Ordnungshütern bekommen, fragt ZEIT-ONLINE-Leserin Julia Kleber.

Auch Radfahrerinnen und Radfahrer gefährden sich und andere, wenn sie alkoholisiert unterwegs sind. Darum gibt es auch für sie eine Promillegrenze, ab der von einer absoluten Fahruntüchtigkeit ausgegangen wird. Sie liegt allerdings nicht bei 1,1 Promille Alkohol im Blut wie für Kraftfahrer, sondern bei 1,6 Promille. "Wer also mit 1,6 Promille und mehr auf dem Fahrrad unterwegs ist, macht sich strafbar", sagt Frank-Roland Hillmann, Fachanwalt für Verkehrsrecht in Oldenburg.

Was folgt daraus? "Wird man erwischt, bekommt man eine Geldstrafe und zwei Punkte im Flensburger Verkehrsregister. Die Punkte bleiben dort für zehn Jahre stehen", erläutert Hillmann und ergänzt: "Der Führerschein wird dem oder der Betroffenen aber zunächst einmal nicht entzogen, weil er oder sie ja nicht mit einem Kraftfahrzeug unterwegs war."

Aber auch für Radfahrer gibt es den Tatbestand der relativen Fahruntüchtigkeit. Ein Radler, der mit weniger als 1,6 Promille Schlangenlinien fährt, ist offensichtlich relativ fahruntüchtig und wird genauso bestraft, wie wenn bei ihm ein Blutalkoholgehalt von 1,6 Promille und mehr festgestellt worden wäre. "Wenn man bedenkt, wie vergleichsweise günstig eine Taxifahrt ist, sollte sich jeder Radfahrer nach ein paar Gläsern Alkohol gut überlegen, ob er wirklich aufs Rad steigt oder es nicht lieber stehen lässt und ein Taxi nimmt", sagt Hillmann. "Denn eine Geldstrafe beträgt in der Regel ein Netto-Monatseinkommen – da kann sich jeder ausrechnen, was ihn eine solche Fahrt kostet."

Auch Radeln mit Promille kann zur MPU führen

Eine betrunkene Radfahrerin kann allerdings auch den Führerschein verlieren. "Die Fahrerlaubnis wird aber nicht auf strafrechtlichem Wege durch ein Urteil entzogen, weil man mit absoluter oder relativer Fahruntüchtigkeit unterwegs war, sondern ausschließlich auf verwaltungsrechtlicher Basis", erklärt der Fachanwalt. Grundlage ist dabei die sogenannte Fahrerlaubnisverordnung, welche die besagte Promillegrenze enthält. Jeder Mensch, der mit 1,6 Promille im Straßenverkehr unterwegs ist, löst bei der Führerscheinstelle Bedenken an seiner Fahreignung aus. Diese Bedenken muss der Führerscheininhaber ausräumen. "Das kann er ausschließlich mit einer Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU) tun."

Die Behörde wird also einem Radfahrer, der mit relativer oder absoluter Fahruntüchtigkeit unterwegs war, auferlegen, innerhalb einer vorgegebenen Zeit eine solche Untersuchung zu absolvieren und das MPU-Gutachten vorzulegen. Tut er das nicht, oder das Gutachten fällt negativ aus, dann wird ihm seine Fahrerlaubnis entzogen und er darf keine Kraftfahrzeuge mehr führen.

"Das passiert häufiger, als man denkt", sagt Hillmann. "Der Grund dafür liegt in einer Vorschrift, wonach derjenige, der die MPU bestehen will, in aller Regel etwa sechs Monate Abstinenz oder zumindest reduzierten Alkoholkonsum nachweisen muss. Die Führerscheinstellen setzen aber oftmals so kurze Fristen zur Vorlage des MPU-Gutachtens, dass die sechs Monate nicht erfüllt sind und der Betroffene die geforderte Abstinenzzeit gar nicht nachweisen kann." Damit fällt er durch die MPU, ihm wird zwingend die Fahrerlaubnis entzogen. "Wenige Monate später kann er sie dann wieder beantragen, wenn er die Voraussetzungen zum Bestehen der MPU, also die sechsmonatige Abstinenzzeit, erreicht hat", ergänzt Hillmann.

Das alles gilt – wenn auch höchst eingeschränkt – grundsätzlich auch für Fußgängerinnen und Fußgänger. Der Gesetzgeber hat hier zwar keine relative oder absolute Fahruntüchtigkeit definiert. Wenn die Polizei aber einen extrem hohen Alkoholgehalt im Blut feststellt, dann löst das die beschriebenen Eignungsbedenken der Führerscheinstelle aus, sofern der betrunkene Fußgänger einen Führerschein besitzt. "Dann kann auch ein betrunkener Fußgänger zur MPU geschickt werden", sagt Hillmann. "War er mit weit über zwei Promille im Straßenverkehr unterwegs, muss er möglicherweise eine zwölfmonatige Abstinenzzeit nachweisen. Das ist in der Kürze der von der Führerscheinstelle gesetzten Frist natürlich nicht möglich, sodass ein solcher Fußgänger ziemlich lange ohne Fahrerlaubnis sein kann."