Wenn ich im Auto unterwegs bin, habe ich stets Angst, als Erste an eine ungesicherte Unfallstelle zu kommen – denn dann muss ich Erste Hilfe leisten. Ich weiß, dass ich mich strafbar machte, wenn ich weiterführe. Aber: Was droht eigentlich, wenn man keine Erste Hilfe leistet und erwischt wird? Und: Was passiert, wenn ich bei der Hilfeleistung Fehler mache? Könnte das Unfallopfer mich am Ende gar verklagen, falls es durch meine "falsche" Erste Hilfe Schäden erleidet, fragt ZEIT-ONLINE-Leserin Simone Weder.

Viele sehen Unfälle heute als Spektakel an, zücken ihre Smartphones und filmen die Szene, anstatt zu überlegen, wie sie den Verletzten umgehend helfen können. Auch Rettungskräfte werden immer wieder in ihrer Arbeit von Gaffern behindert. Dabei ist bei einem Verkehrsunfall jeder und jede gesetzlich zur Hilfe verpflichtet.

"So wie Sie nach einem Unfall die Hilfe von Dritten erwarten, sollte es auch für Sie keine Frage sein, einer Person in einer Notsituation zu helfen", sagt Frank Häcker. "Helfer müssen das objektiv Mögliche und subjektiv Zumutbare tun", erläutert der Rechtsanwalt. "Ansonsten laufen Sie Gefahr, mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten." Wer einfach weiterfährt, dem droht eine Geldstrafe oder sogar eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr.

Die Angst der Leserin ist dagegen unbegründet. "Schadensersatzansprüche gegen Helfer wegen unsachgemäßen Vorgehens bestehen grundsätzlich nicht, wenn der oder die Helfende die ihm oder ihr bestmögliche Hilfeleistung erbracht hat", sagt Häcker. "Allenfalls bei einem vorsätzlichen oder grob fahrlässigen Handeln können Schadensersatzansprüche gegen einen Helfer entstehen."

Ein etwaiges fehlendes Wissen könne einem Ersthelfer allerdings nicht als grobe Fahrlässigkeit vorgeworfen werden, betont der Rechtsanwalt aus Aschaffenburg. "Ein Helfer kann daher nur in krassen und seltenen Ausnahmefällen wegen grober Fahrlässigkeit haften", sagt Häcker.

Jedoch stehen dem oder der Helfenden Ansprüche gegen den Hilfsbedürftigen oder dessen Unfallversicherung zu, etwa wenn Helfende im Rahmen ihrer Hilfeleistung einen Schaden erleiden, ergänzt Häcker. Der Rechtsanwalt empfiehlt deshalb: "Es ist eine Selbstverständlichkeit, einem anderen in Not zu helfen. Dabei gilt aber immer, sich selbst nicht zu überschätzen, um sich nicht selbst in Gefahr zu bringen."

Wer als Erstes zu einer Unfallstelle kommt, hilft den Verletzten auch, indem er oder sie beispielsweise den Notarzt ruft und das Unfallopfer anspricht. Auch über die Rettungsleitstelle können sich diejenigen, die einen Verletzten finden, Hilfe für die Erste Hilfe holen.