Bike-Sharing war hierzulande lange Zeit eine überschaubare Angelegenheit. Nextbike und die Deutsche Bahn mit Call-a-Bike haben den Markt in den Großstädten unter sich aufgeteilt. Kleinere Städte und  Kommunen mussten oft verzichten, weil ein Leihradsystem für sie zu teuer ist. Das kann sich nun ändern. Asiatische Startups verteilen ihre Leihräder bundesweit von Hamburg bis München.

Während jeder Gastronom eine Sondergenehmigung braucht, um Tische und Stühle auf den Gehweg zu stellen, ist die Sache für Bike-Sharing-Anbieter deutlich einfacher. Nur die Betreiber fester Bike-Sharing-Stationen benötigen eine Sondergenehmigung für ihre Flotten. Die Anbieter sogenannter Freefloating-Räder, also jene ohne feste Station, brauchen keine. Das hat 2009 hatte das Hamburger Verwaltungsgericht entschieden.

Damals hatte das Unternehmen Call-a-Bike die städtische Leihrad-Ausschreibung gewonnen. Anschließend wollte die Hansestadt, dass die kleine Flotte aus 200 Nextbike-Rädern von Hamburgs Straßen verschwindet. Sie zog vor Gericht und verlor. Die Nextbike Räder durften bleiben und sind weiterhin im Stadtgebiet unterwegs.

Die Entscheidung des Verwaltungsgerichts passte dem Bike-Sharing-Anbieter Obike aus Singapur prima ins Konzept. Mit 7.000 seiner orangefarbenen Räder flutete er praktisch über Nacht die Straßen von München. Ab August 2017 waren die Räder überall – auf Fußwegen, an öffentlichen Radständern und an Straßenecken. Manche von ihnen landeten auch in Gräben, hingen an Straßenschildern oder versperrten den Weg.

Damit verlief der erste Auftritt von Obike in Deutschland ähnlich chaotisch wie in Asien: Im Herbst 2017 gingen die Bilder von haushohen Schrottbergen bunter Mieträder um die Welt. Monatelang lieferten sich Obike und die Konkurrenten Mobike und Ofo eine Schlacht um die Vorherrschaft am Markt, schütteten die Straßen und Plätze asiatischer Großstädte mit ihren bunten Rädern zu. Am Ende landeten Hunderttausende der Räder ohne Wartung und Service auf Deponien.

In München provozierten die herumstehenden und -liegenden Räder viel Ärger. Zahlreiche Münchner beschwerten sich bei der Stadtverwaltung. Dabei hätte der Obike-Auftritt ganz anders laufen können. Denn laut Lukas Raffl von der Stabsstelle Radverkehr in München ist der Bedarf an mehr Leihrädern durchaus vorhanden. 2.500 Mieträder von Call-a-Bike, dem städtischen Anbieter MVG-Räder und dem Kopenhagener Anbieter Donkey Republic gibt es in München. Die Verwaltung diskutierte laut Raffl im Sommer 2017, 2.000 weitere MVG-Leihräder fürs Stadtgebiet zuzulassen. Hier hätte Obike mit seinem Angebot elegant einhaken können. Stattdessen hat das Unternehmen seinen Markteintritt gründlich vermasselt.