Regelmäßig ärgere ich mich auf der Autobahn über Fahrer, die trotz leerer Straße den mittleren Streifen blockieren. Dürfen sie das? Oder besagt das Rechtsfahrverbot, dass stets die "rechteste" aller Spuren zu nutzen ist? Welche Strafen drohen solchen Schnarchfahrern?, will ZEIT-ONLINE-Leser Lukas Zobel wissen.

Die geschilderte Situation kennen viele, auch den Verdruss des Lesers können die meisten sicher gut nachvollziehen. Selbst den Rechtsanwalt Markus Matzkeit irritieren solche Verkehrsteilnehmerinnen. "Es ist ärgerlich und fördert Staus, wenn man von der rechten Fahrspur auf die linke wechseln muss, um ein langsames Fahrzeug auf der mittleren Spur zu überholen", sagt Matzkeit und ergänzt: "Auch das Unfallrisiko steigt dadurch."

Allerdings wurde für dreispurige Straßen und für Autobahnen das Rechtsfahrgebot tatsächlich aufgeweicht: Der Anwalt verweist auf Paragraf 7 der Straßenverkehrsordnung (StVO). In Absatz 3c heißt es: Auf solchen Straßen "dürfen Kraftfahrzeuge, abweichend von dem Gebot, möglichst weit rechts zu fahren, den mittleren Fahrstreifen dort durchgängig befahren, wo – auch nur hin und wieder – rechts davon ein Fahrzeug hält oder fährt".

"Mit dieser Vorschrift soll das Fahren gestreckter Schlangenlinien vermieden werden", sagt Matzkeit. Er hält die Formulierung im Gesetz für problematisch, da sie ziemlich vage bleibt. Darum mussten sich auch schon Gerichte damit beschäftigen. "Die Rechtsprechung hat diese schwammige Formulierung folgendermaßen konkretisiert: Bei einem Abstand von 'deutlich mehr als 20 Sekunden', in dem der rechte Fahrstreifen genutzt werden könnte, hat dies auch zu erfolgen", erläutert der Jurist.

"In der Praxis ist sicherlich sehr häufig feststellbar, dass die Maßgabe 'deutlich' überschritten wird", fügt Matzkeit hinzu. Dann allerdings liegt ein Verstoß gegen das Rechtsfahrgebot vor. Auf Autobahnen kann das ein Bußgeld von 80 Euro und einen Punkt in Flensburg nach sich ziehen.

"Faktisch wird ein solcher Verstoß aber nur äußerst selten sanktioniert", sagt Matzkeit. Der Ärger über solche Fahrerinnen und Fahrer verschwindet somit vermutlich nicht.