Schon 2016 stellte Vello das Faltrad-Pedelec Bike+ vor – jetzt bringt das noch junge österreichische Unternehmen das E-Rad offiziell auf den Markt. Wir wollten wissen, ob das minimalistische Pendler-Pedelec als Alternative zu Klappradklassikern wie Brompton oder anderen E-Bikes taugt, und haben ein paar Runden gedreht.

Bei der ersten Inspektion macht das Bike+ einen kompetenten Eindruck. Die Rahmenkonstruktion wirkt elegant, filigran und stabil zugleich. Die 20-Zoll-Räder mit den profillosen Reifen von Schwalbe vermitteln eine sportliche Leichtigkeit, zumal Schutzbleche darüber fehlen. Der Selle-Royal-Sattel ist dezent gepolstert und zugleich sportlich.

Darüber hinaus gefallen uns einige smarte Lösungen, etwa die in den Rahmen integrierte, allerdings nicht sonderlich leuchtstarke LED-Lichtanlage oder der (optionale) Riemenantrieb. Der von Vello selbst designte Faltlenker aus Aluminium rundet den positiven Eindruck ab. Der Lenker ist aber gerade, an keiner Stelle gebogen – die fehlende Kröpfung belastet nach einigen Kilometern die Handgelenke unangenehm. Vello bietet Lenkeralternativen an, die eine bequemere Haltung erlauben sollen.

Motor und Batterie in der Nabe

Der Elektroantrieb steckt in der Hinterradnabe. Sie fällt dadurch wuchtiger aus als eine übersetzungsreiche Nabenschaltung. Die Technik stammt von der italienischen Firma Zehus, die alles in die Nabe gepackt hat. Der 250 Watt starke Motor, die 160 Wh große Batterie und die Regelelektronik bündeln sich im runden Metallkorpus im Hinterrad. Schalter oder ein Display am Lenker erübrigen sich, denn es gibt ein Bluetoothmodul, das eine Verbindung zwischen Smartphone-App und Antrieb herstellt.

Die wuchtige Nabe enthält den Elektroantrieb. © Mario Hommen/​SP-X

Mithilfe der App kann man über sein Smartphone unter anderem den Unterstützungsmodus einstellen und sich über die Geschwindigkeit und die aktuelle Reichweite informieren, die der Akku noch hergibt. Will man das während der Fahrt, braucht man eine spezielle Handyhalterung am Lenker.

Darauf kann man aber verzichten, denn wer einmal den für sich richtigen Fahrmodus eingestellt hat, wird die meiste Zeit in diesem bleiben. Und um die Motorunterstützung zu aktivieren, braucht es keinen Schalter oder die App. Sobald man das Fahrrad ausschließlich per Muskelkraft auf 10 km/h beschleunigt hat, kann man das E-Triebwerk starten, indem man dreimal rückwärts tritt. Bleibt das Vello einige Zeit unbewegt, schaltet sich der Antrieb von selbst ab.

Der fast geräuschlose Motor sorgt in der höchsten Unterstützungsstufe für ordentlichen Schub. Das Tempo bleibt aber meist knapp unterhalb der sonst bei Pedelecs üblichen 25 km/h. An Steigungen haben wir sogar deutlich an Schwung verloren. Man kann allerdings auch schneller mit dem Vello fahren, wenn man entsprechend in die Pedale tritt. Der E-Antrieb leistet dabei keinen Widerstand, außer man nutzt den Rekuperationsmodus zur Rückgewinnung von Energie. Die Intensität der Rekuperation lässt sich über den Rücktritt regulieren, so wird der Motor sogar zur Bremse.