Der Autofahrer, der an der Ampel wartet, ist interessiert. "Ist das die Elektro-Schwalbe?", fragt er durch das heruntergelassene Fenster. Und dann nach den wichtigsten Eckdaten: Reichweite, Preis? "110 Kilometer, 5.500", gibt man zur Antwort – was man eben so schafft, bevor die Ampel wieder auf Grün springt.

Man erkennt den Roller auf den ersten Blick. Optisch entspricht die neue der guten alten Schwalbe, die – hergestellt von Simson in Suhl – bis zur deutsch-deutschen Vereinigung und noch ein bisschen länger viele DDR-Bürger mobilisierte. Die Vespa des Ostens. Der Trabi auf zwei Rädern und für zwei Leute. Man könnte sich also durchaus täuschen. Der zweite Eindruck allerdings, der akustische, macht einem klar: Hier rollt doch keine gute alte Schwalbe. Deren Zweitaktmotor knatterte, und dieser hier summt und rauscht.

Denn die neue Schwalbe, produziert im polnischen Wrocław für den Münchner Hersteller Govecs, hat einen Elektromotor von Bosch anstelle eines Einzylinders und einen Stromspeicher statt eines Benzin-Öl-Gemischtanks. Dazu LEDs statt Glühbirnchen sowie eine LCD-Anzeige, wo früher eine Tachonadel über die Geschwindigkeit informierte. Dazu verbaut Govecs in die Neuauflage der Schwalbe ordentlich zupackende Scheibenbremsen.

Jetzt fliegt sie

Ein ostalgischer Auftritt mit modernster Technik also. Mit diesem Rezept stellt Govecs ein gelungenes City-Moped auf die großen Speichenräder. Der Käufer kann sich entscheiden, ob er die E-Schwalbe mit einem Akku oder zwei Akkus haben will. Unser Testfahrzeug hat zwei, und darauf beziehen sich auch alle Reichweitenangaben im Text.

Die ersten Meter bleiben hinter den Erwartungen zurück: Sanft, fast betulich summt die Schwalbe nach einem Dreh am rechten Handgriff vom Fleck. Das soll sie sein, die tolle drehmomentstarke Elektrobeschleunigung? Ist sie natürlich nicht. Ein Blick aufs Display zeigt, dass man im Modus Go unterwegs ist – besonders sparsam (weil der Motor dann am wenigsten Energie aus dem Akku zieht), aber spaßfrei. Mit zwei Klicks an einem Hebelchen springt die Anzeige auf Boost und die Reichweite von 110 auf 78 Kilometer: Heia Safari! Jetzt fliegt sie, die Schwalbe.

Das Schwalbe-Logo am Sitz © Markus Rössle/Govecs

Von der Ampel weg meint man fast, gleich hebe das Vorderrad vom Asphalt ab (tut es natürlich nicht), fröhlich stürmt der Roller von dannen, Steigungen hoch, schräg durch die Kurven, die Gerade entlang. Die gefühlte Motorleistung liegt deutlich über den tatsächlichen vier Kilowatt (5,4 PS). In wenigen Sekunden spurtet die Schwalbe auf Tempo 30, 40 … und dann, bei der Anzeige 47: interruptus. Jetzt hindert das eingebaute Tempolimit daran, noch schneller zu werden. Der Grund: Der Gesetzgeber lässt für Mokicks mit Versicherungskennzeichen maximal 45 km/h zu.

In der Stadt drängeln also von hinten die Laster, und an der Seite quetschen sich Autos vorbei. Auf die Autobahn darf man mit der Schwalbe schon gar nicht. Aber dieses Problem teilt sie mit den herkömmlichen Sprit-Mopeds mit weniger als 50 Kubikzentimetern Hubraum.

Kabel- statt Helmfach

Der Vorteil: Für das Fahren auf der Schwalbe genügt der leicht erwerbbare Moped-Führerschein AM ab 16, teilweise 15 Jahren oder der normale Pkw-Schein. Wer es zügiger mag, muss bis Sommer warten: Dann gibt es die Schwalbe auch als 90 km/h schnelles Leichtkraftrad, äquivalent zu einem herkömmlichen Roller mit 125 Kubikzentimetern Hubraum – mit entsprechend strengeren Führerscheinregeln.

Bei anderen Rollern wäre hier Platz für den Helm. © Marcus Efler

Doch auch als Moped trägt die Schwalbe den Frühling ins Herz. Als optimaler Fahrmodus für die Stadt erweist sich die mittlere Stufe Cruise, bei der eine Akkuladung für etwa 85 Kilometer reicht: Auch dann zieht das Kleinkraftrad immer noch kräftig von dannen, locker umzirkelt es Hindernisse und schleicht an Staus vorbei. Mit 135 Kilogramm (Version mit zwei Akkus) ist dieses Gefährt natürlich kein Leichtgewicht, aber beim Fahren ist die Masse kaum zu spüren. Was vor allem daran liegt, dass das meiste davon in Form der Akkus recht tief lagert.

Diese lassen sich in eindreiviertel Stunden etwa zur Hälfte laden – bei nur einem Akku dauert das rund eine Stunde. In etwa viereinhalb Stunden sind beide Akkus komplett aufgeladen. Das Kabel für eine herkömmliche Schuko-Steckdose lagert im Fach unter der schmalen Zweier-Sitzbank, auf Kosten des bei Rollern eigentlich üblichen Helmfachs. Aber man kann eben nicht alles haben.

Das fröhliche Lächeln des Autofahrers beim Ampelgespräch zeigt jedenfalls: Maximaltempo, Reichweite, Preis – alles okay. Für den sauberen Fahrspaß für bis zu zwei Passagiere geht man gerne auch ein paar Kompromisse ein.