Die Bekundung zieht sich wie ein roter Faden durch die deutsche Verkehrspolitik: "Mehr Verkehr auf die Schiene", heißt es regelmäßig von Bundesverkehrsministern. Die Realität sieht allerdings völlig anders aus. Seit Jahren stagniert im Güterverkehr der Marktanteil des Schienentransports. Er liegt bei 18 Prozent – so hoch wie etwa auch schon 2007 und nur geringfügig höher als im Jahr 2000; 1990 waren es noch 21 Prozent. Zum Vergleich: In Österreich bewältigt die Bahn heute mehr als 30 Prozent des Gütertransports. 

In Deutschland hingegen werden mehr als 70 Prozent des Güterverkehrs mit Lastkraftwagen abgewickelt. Das ist vor allem eine Folge einseitiger, auf die Straße fokussierter Verkehrspolitik. Auch die letzte wesentliche Entscheidung ist hoch umstritten: die Einführung von Sattelschleppern, die 6,5 Meter länger sind als herkömmliche Lastzüge. Das Bundesverkehrsministerium hatte die XL-Laster nach einem fünf Jahre laufenden Test ab Anfang 2017 für den normalen Betrieb zugelassen.

"Die Regelzulassung der Gigaliner macht den Lkw-Verkehr noch billiger und stärkt den Güterverkehr auf der Straße", sagt Dirk Flege, der Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, ZEIT ONLINE. "Das ist das genaue Gegenteil der von der Politik stets bekundeten Forderung, mehr Verkehr auf die Schiene zu bringen." Die Befürworter werben dagegen damit, dass die überlangen Lkw letztlich Lastwagenverkehr verringern würden.

Nun werden die Riesen-Lkw ein Fall für Richter: Kommende Woche verhandelt das Berliner Verwaltungsgericht die Frage, ob das Verkehrsministerium mit der Regelzulassung gegen europäisches Recht verstoßen hat. Für die Klage hat sich die Allianz pro Schiene mit der Deutschen Umwelthilfe, dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und dem Automobil-Club Verkehr zusammengetan. 

32 Prozent befürworten die Zulassung

Die Kläger wissen bei ihrer Kritik die Mehrheit der Deutschen hinter sich. Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hat im Auftrag der Verbände Anfang Februar zur Akzeptanz der Lang-Lkw eine Umfrage durchgeführt, deren noch nicht veröffentlichte Ergebnisse ZEIT ONLINE exklusiv vorliegen. Demnach findet es lediglich ein Drittel der Bundesbürger richtig, dass solche Sattelschlepper auf deutschen Straßen fahren dürfen – 63 Prozent finden das falsch.

Allerdings war bei ähnlichen Umfragen vor ein paar Jahren die Ablehnungsquote noch spürbar höher, sie lag etwa 2014 bei fast 80 Prozent. Vor allem Frauen haben deutliche Vorbehalte gegen die überlangen Laster. Zudem steigt die Ablehnung mit dem Alter.

Drei Argumente spielten in der jetzigen Umfrage eine entscheidende Rolle für die Bewertung der Lang-Lkw. 57 Prozent der Befragten fanden ein erhöhtes Unfallrisiko, aufgrund der Größe und Schwere der Gigaliner, einen wichtigen oder sehr wichtigen Aspekt bei ihrer Entscheidung; fast ebenso viele beurteilten zwei andere Punkte als wichtig oder sehr wichtig: eine mögliche Schädigung der Umwelt, wenn durch die überlangen Laster Transporte von der Schiene auf die Straße verlagert werden, sowie zusätzliche Kosten, die sich für den Steuerzahler durch den teils erforderlichen Umbau von Straßen ergeben.

Deutlich weniger Befragte hielten dagegen das Argument für wichtig, dass die Riesenlaster mehr Fracht laden können und dadurch Transportkosten sinken. Der Aspekt, dass bei den Lang-Lkw pro transportierter Tonne weniger Schadstoffe in die Luft geblasen werden als bei den herkömmlichen Lastern, spielte nur für 27 Prozent der Befragten eine sehr wichtige Rolle, für 24 Prozent zumindest eine wichtige. 

Lang-Lkw - Umstrittene Riesenlaster Seit Anfang 2017 sind Lang-Lkw, auch Gigaliner genannt, für den Regelbetrieb auf Deutschlands Straßen zugelassen. Was spricht für, was gegen die großen Lastwagen? © Foto: Zeit Online