Im Abgasskandal wirft der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Verschleppung vor. Die Kanzlerin sei "völlig abgetaucht", kritisierte der SPD-Politiker in einem Interview mit der Augsburger Allgemeinen Zeitung. "Wir – die Oberbürgermeister aller großen Städte – waren für Februar zu einem neuen Dieselgipfel mit ihr verabredet, aber ich habe immer noch keine Einladung aus dem Kanzleramt bekommen."

Vereinbart worden sei zudem, "dass beim nächsten Dieselgipfel die Automobilindustrie dabei sein muss", sagte Reiter weiter. "Das will Frau Merkel aber offenbar nun doch nicht." Er glaube, dass das Thema der Kanzlerin "höchst unangenehm" sei. Dies sei für die betroffenen Kommunen aber nicht akzeptabel: "Wir Städte haben das Problem – und die Kanzlerin, die es lösen kann, hält sich bedeckt."

Reiter forderte erneut eine flächendeckende Umrüstung aller Dieselfahrzeuge, die neuer sind als Euro 4. "Das muss aber die Kanzlerin anschieben, denn die Autokonzerne machen das natürlich nicht im Alleingang." 

Vertreter der am stärksten von der Luftverschmutzung betroffenen Kommunen hatten sich zuletzt Ende November mit Merkel getroffen. Vereinbart wurde ein Sofortprogramm im Umfang von einer Milliarde Euro für Maßnahmen für saubere Luft in den Städten im Jahr 2018. Damit wollen Kommunen und Bundesregierung Dieselfahrverbote wegen hoher Stickoxidwerte in den Städten vermeiden.