Viele Städte kämpfen mit dem zunehmenden Verkehr und den Problemen, die er mit sich bringt. Was unternehmen Großstädte, damit der Verkehr in ihren Zentren besser und sauberer wird? Und wie erfolgreich sind sie damit? Wir werfen in unserer Serie einen Blick auf Metropolregionen in ganz Europa.

Wenn Joke Plomp eines ihrer Lieblingserlebnisse erzählen soll, dann denkt die Sprecherin der Fahrervereinigung bei TCA, der Taxi Centrale Amsterdam, an eine Episode vor knapp zehn Jahren zurück. Damals war Plomp – Spitzname "Taxi-Joke" und ein Urgestein der Szene – gerade aus Überzeugung auf ein elektrisches Gefährt umgestiegen, damit war sie Elektropionierin der Amsterdamer Taxifahrer. Eines Tages glitt sie lautlos an zwei Rucksacktouristen vorbei, die eben aus einem Coffeeshop getreten waren. Mit offenen Mündern starrten sie auf Plomp und ihr Fahrzeug.

Mittlerweile fahren 650 elektrische Taxis durch die niederländische Hauptstadt – gut 16 Prozent der gesamten Flotte. Der Taxisektor ist nur eines von vielen Beispielen für die Entwicklung, die Amsterdam in den letzten Jahren beim Thema Elektroverkehr genommen hat. Seit 2011 stimuliert man diesen aktiv – und breiträumig. "2025 muss soviel wie möglich abgasfreier Verkehr durch die Stadt fahren", bekräftigte Abdeluheb Choho, der städtische Dezernent für Nachhaltigkeit, in diesem Frühjahr. Amsterdam wäre nicht Amsterdam, verfolgte man damit keine steilen Ambitionen: Nicht weniger als eine weltweite Vorreiterin will man werden, klingt es aus dem backsteinroten Stadthaus an der Amstel.

Amsterdam hat zum Handeln allen Grund. Laut einer Untersuchung der Umweltorganisation Milieudefensie von 2016 wurde auf vier Straßen in der Stadt der europäische Grenzwert von 40,5 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter überschritten. Die Stadhouderskade – eine Magistrale, die quer durch die Stadt schneidet – weist mit 46 Mikrogramm gar den höchsten Wert des Landes auf.

Ermöglichen, Stimulieren, Regulieren

Hinzu kommt eine Besonderheit, die sich aus der speziellen städtischen Architektur ergibt: Die touristisch so beliebten Grachten sind so pittoresk wie stauanfällig. Es gibt eine Spur in jede Richtung, und weil dazwischen Wasser liegt, ist Ausweichen unmöglich. Gerade hier knubbeln sich Besucherinnen und Besucher, Hotels und Gastronomie; den zähflüssigen Lieferverkehr kann man allmorgendlich beobachten. Die älteren eingesetzten Transporter haben zudem keine Rußfilter. Dadurch sind ihre Abgase laut einer niederländischen Studie viermal gesundheitsschädigender als die von Pkw.

Was also geschieht im Rahmen der Kampagne, die man im sicheren Gespür für Selbstbranding Amsterdam elektrisch genannt hat? Die offensichtlichste Antwort springt einem beim Flanieren im Stadtzentrum ins Auge: ein Logo in Form eines stilisierten e, das in einen Stecker übergeht. Weiß auf Rot klebt es auf inzwischen mehr als 2.400 Ladesäulen. 2011 waren es noch 300. Das heißt, seither wurde im Schnitt fast eine Säule mit jeweils zwei Ladeanschlüssen pro Tag errichtet.

"Ermöglichen" nennt Denise Juthan das, die Sprecherin von Amsterdam elektrisch. "Gibt es in einem bestimmten Viertel zu wenige Kapazitäten, dann errichten wir kostenlos einen Ladepunkt", sagt Juthan. Hier arbeitet die Stadt mit dem Energieunternehmen Nuon zusammen. Ein weiterer Grundstein des Konzepts heißt "Stimulieren". Damit sind Subventionen für Menschen gemeint, die dienstlich auf ein elektrisch betriebenes Fahrzeug umsteigen. Der Höchstbetrag liegt bei 5.000 Euro für Pkw und 40.000 Euro für Lkw. Bei den Taxis wurde die Subventionierung, ebenfalls 5.000 Euro je Fahrzeug, unlängst eingestellt, nachdem das bereitgestellte Budget von 2,1 Millionen Euro ausgeschöpft wurde.