Mit einem kleinen Jingle schnappt das Rahmenschloss des hellgrünen LimeBikes auf. Erwartungsvoll steige ich auf. Bis hierher war alles leicht: App installieren, QR-Code scannen – los geht's. Die erste Fahrt ist kostenlos. Doch kaum im Sattel, folgt die Ernüchterung: Der linke Griff flutscht bei der kleinsten Bewegung vor und zurück und die Bremsen funktionieren nicht. Ich steige umgehend wieder ab, melde den Schaden per App, verschließe das Rad und gehe zum nächsten Mietrad.

Die Auswahl am Berliner Hauptbahnhof ist groß. Es gibt Bikes unterschiedlicher Größe, von 24 bis 28 Zoll. Mit und ohne Motor, als Singlespeed oder mit Schaltung. Doch wie bequem sind die Räder? Sind sie verkehrssicher und für welche Strecken eignen sie sich? Einen ersten Eindruck soll jeweils eine fünf Kilometer lange Testfahrt mit jedem Bike vermitteln.

Räder ohne Schlauch

Am längsten auf dem deutschen Markt sind die Anbieter Call-a-Bike der Deutschen Bahn und Nextbike. Ihre Räder mit Dreigangschaltung und 28 Zoll großen Laufrädern stehen nunmehr seit rund 15 Jahren in Städten von Hamburg bis München. Es sind robuste Bikes, bei denen von der Bremse bis zur Beleuchtung in der Regel alles funktioniert. Dafür schließen Städte mit einem Anbieter einen Vertrag – in Berlin wurde Nextbike beauftragt – und zahlen jährlich einen Zuschuss (in Berlin 7,5 Millionen Euro über die Laufzeit von fünf Jahren). Im Gegenzug platzieren die Mitarbeiter die Räder an festgelegten Standorten und warten sie.

Call-a-Bike, das im Rennen um den Zuschlag des Berliner Senats den Kürzeren gezogen hatte, hat den Discounter Lidl als Partner gewonnen, kommt ohne öffentliche finanzielle Unterstützung aus und platziert die Räder nicht an festen Standorten. Das Gleiche gilt für die neuen Anbieter wie das amerikanische Start-up LimeBike, sein deutscher Konkurrent Byke, Donkey Republic aus Kopenhagen und die asiatischen Bikesharing-Unternehmen Ofo, Obike und Mobike. Auch diese setzen auf das Konzept Free Floating, wie man es vom nichtstationsgebundenen Carsharing von DriveNow und Car2go kennt.

Räder in Kindergröße

Um den Wartungsaufwand zu reduzieren, haben die Asia-Räder teils ungewohnte Merkmale – zum Beispiel Vollgummireifen. Im 19. Jahrhundert waren daumendicke Hartgummireifen durchaus üblich bei Hochrädern. Als 1888 John Boyd Dunlop aber sein Patent für pneumatische Reifen anmeldete, wechselten die Radhersteller schnell zur komfortableren Luftbereifung. Ofo und Mobike, die beiden Anbieter aus China, gehen technisch also einen Schritt zurück, indem sie all ihre Modelle mit Vollgummireifen versehen. Sie wollen sich damit das Aufpumpen und das Flicken platter Reifen sparen.

Auf Asphalt rollen die Bikes mit den Vollgummipneus jedoch erstaunlich gut. Auf Kopfsteinpflaster ist die Fahrt etwas ruppiger, aber für die fünf Kilometer lange Testfahrt reicht der Komfort. Die gelben Ofo-Räder haben außerdem eine Dreigangschaltung. Das ist praktisch, aber im flachen Berlin reicht das Singlespeed von Mobike aus.

Mobike betreibt inzwischen mit rund 10.000 Rädern die größte Mietradflotte in der Hauptstadt. Das Modell mit den 24-Zoll-Rädern ist aber selbst für mich mit einer Körpergröße von 1,70 Metern deutlich zu klein. Mir fehlen ein paar Zentimeter an Sattelhöhe. In der höchsten Position sind meine Beine immer noch angewinkelt und mir schmerzen schnell die Knie.