Für die Nachrüstung älterer Dieselfahrzeuge hat das Umweltbundesamt schärfere Maßnahmen gefordert. "Sauberer wird es in den Innenstädten nur, wenn die Hersteller die Nachrüstung der Euro 4- und vor allem Euro 5-Fahrzeuge ernsthaft angehen", sagte die Chefin der Behörde Maria Krautzberger der Süddeutschen Zeitung. Die bislang getroffenen Maßnahmen, wie Software-Updates oder die sukzessive Umstellung der Busflotten, reichten nicht aus.

Die Forderung kommt wenige Stunden nachdem die EU-Kommission mitgeteilt hatte, Deutschland und fünf weitere Länder vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) wegen schlechter Luftqualität in vielen Städten und Regionen zu verklagen. Krautzberger sagte im Gespräch mit der Zeitung, die Klage zeige deutlich, "dass wir in Deutschland erheblichen Handlungsbedarf haben".

Kanzlerin Angela Merkel ließ – anders als Frankreich – vorerst keine Absicht zu zusätzlichen Maßnahmen erkennen. Am Rande des Westbalkan-Gipfels in Sofia sagte sie, Deutschland sei auf einem "sehr guten Weg" zu besserer Luft in Städten. Die Bundesregierung habe in "beispielloser Weise" Förderprogramme aufgelegt.

Die Bundesregierung hatte ein milliardenschweres Programm für saubere Luft in Kommunen beschlossen. Es sieht etwa die Umrüstung von Bussen oder eine bessere Taktung des öffentlichen Nahverkehrs vor. Der Koalitionspartner SPD, Umweltschützer und Städte dringen jedoch auf technische Nachrüstungen älterer Diesel.

Bereits im Juni 2015 hatte die EU-Kommission ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet, weil in 28 Städten und Regionen Stickoxid-Grenzwerte an vielen Messstellen der Hauptverkehrsstraßen im Jahresschnitt übertroffen wurden. Bei einer Verurteilung könnten auf Deutschland hohe Strafzahlungen zukommen.