Die rundlichen Formen hat er abgelegt. Mit klaren Linien und Kanten trifft der Leaf des japanischen Autoherstellers Nissan den europäischen Geschmack nun besser, als es das asiatische Design der ersten Generation tat. Seit März liefert Nissan die zweite Auflage seines Elektroautos aus, rund 34.000 Bestellungen aus Europa liegen dem Unternehmen schon vor, davon 3.000 aus Deutschland. Damit ist die gesamte Jahresproduktion bereits ausverkauft.

Der Leaf ist ein großer Erfolg für die Japaner. 2010 brachten sie den mit Strom fahrenden Kompaktwagen auf den Markt, bislang setzten sie weltweit 320.000 Stück ab. Der Nissan Leaf ist damit das meistverkaufte Elektroauto der Welt. "Aus dieser Masse an Fahrzeugen haben wir viel über Elektromobilität gelernt", sagt Michel Jansen. Er ist bei Nissan für Elektromobilität in Europa zuständig. Mit Zustimmung der Fahrzeugbesitzer wurden Daten aus den Autos ausgelesen, etwa zum Nutzerverhalten, und es kamen zahlreiche Rückmeldungen der Fahrer. Eine Erkenntnis zum Beispiel: "In Deutschland gab es bislang keinen einzigen Fall einer defekten Batterie", sagt Jansen.

Das neue Modell kostet nur 350 Euro mehr als das alte, dabei hat sich die Reichweite mit 285 Kilometern mehr als verdoppelt – dank einer stärkeren Batterie mit einer Kapazität von jetzt 40 Kilowattstunden (kWh). An ihren Ausmaßen hat sich nichts geändert, der Leistungszuwachs stammt lediglich aus einer höheren Energiedichte der Zellen. Der Strom fließt an den Elektromotor mit 110 kW (150 PS) und 320 Nm Drehmoment. Die elektrische Kraft ist schon fast zu viel für die schmalen Räder, die schnell durchdrehen.

Günstig im Betrieb

Die angegebene Reichweite ist, wie generell bei Autos, bloße Theorie. Im Alltag sind die 285 Kilometer kaum zu schaffen. Doch immerhin legt der Leaf selbst bei zügiger Fahrweise durch den bergigen Taunus, auf der Autobahn am Rhein entlang und durch Wiesbaden knapp 200 Kilometer zurück, ehe er wieder an die Steckdose muss.

Im Test benötigte der E-Motor je 100 Kilometer 17,1 kWh Strom. Das ist sogar etwas weniger, als Nissan angibt. Bei einem durchschnittlichen Strompreis von 30 Cent pro kWh ergeben sich damit Kosten von 5,13 Euro auf 100 Kilometer – in etwa die Hälfte des Preises, den ein vergleichbares Fahrzeug mit Verbrenner an Sprit braucht.

Beim Energiesparen hilft der Wagen mit: Über das Gaspedal lässt sich der Grad der Rekuperation steuern – also der Rückführung der Bremsenergie in die Batterie. Ein Druck auf einen Knopf, und schon lässt sich der Leaf überwiegend nur mit dem Gaspedal fahren. Nimmt man den Fuß vom Gas, verzögert der Motor so stark, dass das Bremsen überflüssig wird. Durch diese Funktion wird der Motor beim Gaswegnehmen umgepolt, die Bremsenergie über einen Generator in elektrische Energie umgewandelt und an die Batterie abgegeben. Leichter lässt sich im E-Auto nicht Energie sparen. Der Einsatz des Gaspedals setzt allerdings vorausschauendes Fahren voraus.

Ein weiteres Beispiel für einfache Bedienbarkeit sind zwei weitere Druckknöpfe für die Wahl von Fahrfunktionen. Mit ProPilot wird der Leaf zum teilautonom fahrenden Auto. Es hält die Spur und den notwendigen Abstand zum Vordermann, beschleunigt, bremst und fährt dabei mit der eingestellten Geschwindigkeit. Mit ProPilot Parken lenkt sich das Auto selbstständig in die Parklücke: vorwärts, rückwärts, parallel, so, wie man es mag. 12 Sonare und vier Kameras sind seine digitalen Augen.