Ich frage mich, welche Geschwindigkeit für den Autofahrer zählt. Gibt es die angebliche Tachovoreilung von sieben Prozent – und wenn ja, ist dann mein Tachostand minus sieben Prozent der rechtlich gültige Wert? Oder gilt das, was das Navi anzeigt? Und welche Toleranz gibt es bei Radarfallen?, will ZEIT-ONLINE-Leser Markus aus Karlsruhe wissen.

Natürlich sollten Autofahrerinnen und Autofahrer darauf achten, dass sie die zulässige Höchstgeschwindigkeit nicht überschreiten. "Um das zu gewährleisten, darf der Tacho eines Fahrzeuges niemals weniger anzeigen, als tatsächlich gefahren wird – er darf aber mehr anzeigen, und zwar bis zu sieben Prozent", sagt Rechtsanwalt Christian Janeczek.

Warum diese Toleranz? Das vom Tachometer angezeigte Tempo könne nicht immer exakt der tatsächlich gefahrenen Geschwindigkeit entsprechen, erläutert Janeczek. "Viele Tachometer zählen die Radumdrehungen und bestimmen dann aus der Raddrehzahl und der hierfür benötigten Zeit die Geschwindigkeit", führt der Fachanwalt für Verkehrsrecht aus. "Schon Kleinigkeiten können aber den Radumfang verändern, zum Beispiel unterschiedliche Profiltiefe, veränderter Luftdruck oder der Wechsel von Sommer- auf Winterreifen."

Beispielsweise verringert sich mit abnehmender Profiltiefe der Radumfang, und die zurückgelegte Strecke innerhalb einer Radumdrehung wird geringer. Dadurch sinke die tatsächlich gefahrene im Verhältnis zur angezeigten Geschwindigkeit, sagt Janeczek. "Darum ist die Toleranz notwendig."

Das bedeutet: Wenn beispielsweise der Tacho eine Geschwindigkeit von 100 km/h anzeigt, können sich Autofahrer nur sicher sein, dass ihr Fahrzeug zwischen 93 km/h und 100 km/h fährt – ohne exakt zu wissen, ob es nun 95 oder 97 km/h sind. "Will man sicher gehen, dass nicht zu schnell gefahren wird, sollte man sich auf die angezeigte Geschwindigkeit verlassen, auch wenn man dann tendenziell etwas langsamer fährt, als erlaubt wäre", sagt der Rechtsanwalt aus Dresden.

Verlässlicher ist nach Ansicht des Anwalts die vom Navigationsgerät angezeigte Geschwindigkeit. Die Messung per GPS sei tendenziell genauer, wobei es auch hier Toleranzen gebe. "Es kann auch zu Fehlern beim Empfang des GPS-Signals kommen, die den angezeigten Wert verfälschen, dem Fahrer jedoch nicht auffallen", sagt Janeczek. "Sollte man dann geblitzt werden, wird einem die Aussage, das Navi habe eine falsche Geschwindigkeit angezeigt, nicht helfen."

Bei Radarfallen gelten andere Toleranzbereiche, fügt der Rechtsanwalt hinzu. "Für die meisten Messgeräte gilt: Bis 100 km/h müssen 3 km/h vom Messwert abgezogen werden, bei Geschwindigkeiten darüber sind es drei Prozent. Es gibt aber auch Messgeräte mit noch größeren Toleranzen."