Kürzlich wollte ich einen Termin beim TÜV vereinbaren. Die Frontscheibe meines Wagens hat aber wegen eines Steinschlags einen kleinen Riss. Können mir die Kontrolleure deshalb die Plakette vorenthalten?, will ZEIT-ONLINE-Leser Celik Ali wissen.

Kleinere Kratzer am Lack oder an der Stoßstange stören die Sachverständigen des Technischen Überwachungsvereins (TÜV) in aller Regel kaum. Bei Glasschäden ist aber die Fahrtüchtigkeit entscheidend und damit die Frage, wie groß der Steinschlag oder Riss ist und wo an der Windschutzscheibe er sich befindet. Denn eine intakte Frontscheibe trägt zur Sicherheit des Fahrers und der Fahrerin sowie aller Mitfahrenden bei.

Ob eine defekte Scheibe sich reparieren oder ersetzen lässt, hängt von der Art, Größe und Lage des Steinschlages auf dem Glas ab. "Die Windschutzscheibe kann durch den Druck des Fahrtwindes oder durch eine Erschütterung komplett reißen, da die Scheibe unter Spannung steht", sagt Jurist Michael Schulte.

Der Fachanwalt für Verkehrsrecht in Lüdenscheid erläutert: "Reparaturen mit speziellem Kunstharz sind zulässig, wenn der Schaden kleiner ist als eine Zwei-Euro-Münze und sich nicht im Sichtfeld des Fahrers befindet." Als Sichtfeld definiert ist dabei der etwa 30 Zentimeter breite Bereich auf der Windschutzscheibe über dem Mittelpunkt des Lenkrades oben und unten, begrenzt durch das Scheibenwischerfeld.

Außerdem darf der Steinschlag nicht tiefer als fünf Millimeter sein und muss mehr als zehn Zentimeter von der Glaskante entfernt sein, damit ihn eine Werkstatt reparieren darf. Handelt es sich um einen Riss, dann darf dieser nicht größer als fünf Zentimeter sein oder – egal, wie lang er ist – bis an den Scheibenrand ragen, ergänzt Schulte.

Doch was, wenn der Schaden nicht zu reparieren ist und nur durch Austausch der Scheibe behoben werden kann? Dann könnte der Steinschlagschaden oder der Riss der Windschutzscheibe einen Mangel darstellen, der vom TÜV gerügt werden kann. Das würde bedeuten: Die neue Prüfplakette wird verweigert. "Ob allerdings der TÜV jeden nicht reparablen Steinschlagschaden auch als Mangel qualifiziert, der zur Nichterteilung der Prüfplakette führt, lässt sich nicht abschließend beurteilen", sagt Schulte.

Sich zügig um die Behebung des Schadens zu kümmern, ist allerdings auch sinnvoll, wenn kein TÜV-Termin ansteht. Denn je nach Größe und Lage des Steinschlagschadens könnten ein Bußgeld von 90 Euro (nach Nr. 214.2 Bußgeldkatalogverordnung) und ein Punkt in Flensburg drohen, weil das Fahrzeug einen mangelhaften Betriebszustand aufweist, warnt der Fachanwalt für Verkehrsrecht.