Wenn mir in einer 30er-Zone eine Autofahrerin, vermutlich auf der Suche nach einem Parkplatz, rückwärts von rechts auf einer spurfreien Straße entgegenkommt, muss ich ihr dann die gleichen Vorfahrtsrechte einräumen wie jemandem, der normal fährt?, will ZEIT-ONLINE-Leser M. Heid aus Aachen wissen.

Solange alle vorwärts fahren, lassen sich Regeln leicht umsetzen. Grundsätzlich regelt die Straßenverkehrsordnung (StVO), wer an Kreuzungen und Einmündungen Vorfahrt hat. In Paragraf 8 (Absatz 1, Satz 1) der StVO heißt es: "An Kreuzungen und Einmündungen hat Vorfahrt, wer von rechts kommt." Das ist die klassische Rechts-vor-links-Regelung.

Doch wie sieht es aus, wenn jemand rückwärts fährt?

"Die Vorfahrtsregelung 'Rechts vor links' gilt auch beim Rückwärtsfahren – es sei denn, die Vorfahrt wird durch Verkehrszeichen besonders geregelt", sagt Daniela Mielchen, Fachanwältin für Verkehrsrecht in Hamburg. Auf die eingesandte Frage bezogen, ergänzt die Juristin: "Die Autofahrerin, die dem Leser rückwärtsfahrend von rechts in einer 30er-Zone entgegenkommt, hat grundsätzlich Vorfahrt – und zwar in gleichem Maße wie jemand, der vorwärts fährt."

Doch wie in anderen Situationen gilt auch hier, dass der Rückwärtsfahrende besondere Sorgfaltspflichten beachten sollte. "Nach Paragraf 9, Absatz 5 StVO muss ein Fahrzeugführer sich beim Rückwärtsfahren so verhalten, dass eine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen ist; erforderlichenfalls muss er sich einweisen lassen", sagt Mielchen.

Das heißt also: Der Rückwärtsfahrende muss äußerst aufmerksam den rückwärtigen Verkehr beobachten und stets bremsbereit sein. "Kommt es zu einem Unfall, kann den vorfahrtsberechtigten Rückwärtsfahrer eine Teilschuld treffen", warnt die Fachanwältin.