Fast hat man das Gefühl, der berühmte Schiefe Turm von Pisa verneige sich noch ein wenig mehr, als wir uns mit der neuen Vespa Primavera nähern. Schließlich ist der Roller ebenfalls so etwas wie ein Kulturgut: 1968 verließ die erste Version die Werkshallen des Herstellers Piaggio im nahen Pontedera und setzte zu ihrem Siegeszug an. Pünktlich zum 50. Geburtstag des Modells bringt Piaggio einen gründlich überarbeiteten Nachfolger, der aber schon auf den ersten Blick als Vespa Primavera zu erkennen ist, auf den Markt.

Die neue Primavera ist in gleich drei Versionen und zusätzlich zwei Sondermodellen zu haben. Von der Überarbeitung profitiert auch das Schwestermodell Sprint, sie gibt es in zwei Ausführungen. Angesichts dieser vielen Varianten ist es nicht leicht, den Überblick zu behalten. Primavera und Sprint unterscheiden sich folgendermaßen: Die Sprint hat einen Rechteck-Scheinwerfer, dazu die hübscheren Spiegel, einen anders gestalteten Sitz und anders geformte Chrom-Haltebügel für die Mitfahrerin sowie schwarze Vielspeichen-Leichtmetallräder, seit jeher im 12-Zoll-Format.

Neu ist, dass auch die Primavera jetzt auf etwas größeren Rädern rollt. Die Zwölfzöller fühlen sich so an, als seien Fahrstabilität und Fahrkomfort höher als mit den bisherigen Elfzöllern. Außerdem haben alle Versionen jetzt nicht nur LEDs beim Rücklicht, sondern auch LED-Scheinwerfer. Die Hupen-Schlitze sind bei den S-Versionen farbig abgesetzt.

Lieber rund oder eckig?

In den letzten Jahren hat die Vespa Primavera als 125er-Version auch in Deutschland den Markt der Leichtkraftroller dominiert. Zusätzlich gibt es sie als 50-Kubik-Version. Mit einem 150-Kubikzentimeter-Triebwerk wird der Roller nur auf Extrawunsch geliefert. Der luftgekühlte 125er-Motor erfüllt nun die Euro-4-Abgasnorm und leistet 8 kW (10,7 PS). Mit ihm ist man im Stadtverkehr absolut ausreichend motorisiert und an der Ampel stets gut für die erste Startreihe.

Das liegt natürlich auch an der nach wie vor hervorragenden Wendigkeit der Primavera. Gemessen an früheren Modellen ist das Fahrverhalten der jüngsten Generation ein spürbarer Fortschritt. Dass das ABS nur das Vorderrad beaufsichtigt, ist Gewöhnungssache; offensichtlich ist Piaggio ein Wechsel auf eine hintere Scheibenbremse zu aufwendig.

Kennzeichen der S-Versionen von Primavera und Sprint sind neben den Matt-Farben – die Grundversionen sind glänzend lackiert – die erstmals verfügbaren TFT-Displays im Cockpit. Der eine oder andere mag ein zeigerloses Anzeigeinstrument bei einer Vespa als Stilbruch empfinden, doch das Vollfarb-Display mit einer Diagonallänge von 4,3 Zoll bietet nicht nur Informationen, sondern mittels der Vespa Multimedia Platform auch die Möglichkeit, es mit dem Smartphone des Fahrers oder der Fahrerin zu verbinden.

500 Euro Mehrpreis verlangt Piaggio für die S-Versionen, die ab Juni zu haben sind. Lediglich 200 Euro Mehrpreis sind dagegen für die Touringversion der Primavera fällig; diese wird mit je einem verchromten Gepäckträger an Front und Heck ausgeliefert. Ob der Primavera (runder Scheinwerfer, runde Spiegel) oder der etwas schnittiger wirkenden Sprint der Vorzug gegeben wird, ist letztlich eine Geschmacksfrage. Funktional, also im Hinblick auf Platzangebot, Stauraum, Sitzposition und Leistungsvermögen treten sie als eineiige Zwillinge auf.

Sicher ist: Die Vespas haben dank ihres Charmes auch in Zukunft ihre Berechtigung. Mal sehen, inwieweit der Ruhm der Primavera auf die im Laufe dieses Jahres serienreife Primavera Elettrica abfärbt – die echte Zäsur im Vespa-Modellprogramm steht noch bevor. Vorher feiert Piaggio noch 50 Jahre Primavera mit einem Sondermodell.

Technische Daten

Motor: luftgekühlter Einzylinder-Viertaktmotor
Hubraum: 124,5 Kubikzentimeter
Leistung: 7,9 kW (10,7 PS)
Sitzhöhe: 79 Zentimeter
Gewicht: 126 Kilogramm (fahrfertig)
Tankinhalt: 8 Liter
Höchstgeschwindigkeit: 91 km/h
Normverbrauch: 2,3 Liter je 100 Kilometer
Preis: ab 4.650 Euro (Primavera), ab 4.750 Euro (Sprint)